17.11.2016

Ganzheitliche Bewegungstherapie

„Bewegung ist Leben – Leben ist Bewegung.“
Leben ist ohne Bewegung also nicht möglich. Dieser Aspekt wird deutlich mit jedem Atemzug, jedem Herzschlag, jedem Schritt nach vorne. Als solches ist der Begriff „Bewegung“ eng mit der körperlichen Gesundheit des Menschen verbunden. Bewegung hilft, den Körper gesund und vital zu halten – aber auch den Geist!

Viele bewegungstherapeutische Ansätze wie beispielsweise die Sporttherapie oder Physiotherapie rücken diese beiden Zielstellungen verstärkt in den Vordergrund: Bewegung wird dabei v.a. unter dem Aspekt der Funktionalität betrachtet. Als solches kann sie trainiert, geschult, verbessert werden. Denkbar ist dies beispielsweise im Falle der Behandlung neurologisch erkrankter Patienten wie beispielsweise nach einem Schlaganfall. Gleichzeitig können durch gezielte Bewegungsangebote körperliche Beschwerden reduziert, aufgehalten oder im besten Falle vermieden werden. Die zahlreiche Angebote am Markt zum Thema Rückenschule, Herz-Kreislauf-Training oder spezielle Kurse zur Gewichtsreduktion über ein gezieltes Bewegungsprogramm machen dies deutlich. Reduziert man die menschliche Bewegung jedoch auf ihre Funktionalität im Sinne der Gesunderhaltung oder auf den Ablauf körperlicher Vorgänge, so wird damit nur ein Teilbereich menschlicher Bewegung berücksichtigt. Denn betrachten wir die Bewegung des Menschen aus ganzheitlicher Sicht, so ist sie weitaus mehr: Jede Bewegung (Körperhaltung, Mimik, Gestik, (un-)sichtbare und gedachte Bewegung) ist auch ein Ausdruck des individuellen Erlebens, des Körperempfindens, des Denkens und Wollens sowie der emotionalen und körperlichen Befindlichkeit eines Menschen. Als solche ist sie als eine situativ und individuell sinnvolle Handlung des Einzelnen in Bezug auf seine Lebenswelt zu verstehen. Diese Sichtweise ist ein wesentliches Merkmal ganzheitlicher Bewegungstherapien und soll daher im Folgenden nochmals verdeutlicht werden.

Bewegung ist Handlung und Verhalten.

In der Bewegungshandlung begegnet und erlebt der Mensch sich selbst, andere Personen und Gegenstände. Er sammelt vielfältige Erfahrungen und Wissen über sich, seine Lebenswelt und deren Aufeinander-Bezogen-Sein. Er entwickelt Fähigkeiten und Können im Umgang mit sich und der Umwelt und lernt seine Handlungsmöglichkeiten und -grenzen besser einzuschätzen. Somit liegen in der Bewegungshandlung vielfältige Möglichkeiten zur emotionalen, sozialen, körperlich-motorischen und kognitiven Entwicklung des Menschen.

Bewegung ist Entwicklungs- und Erkenntnismöglichkeit.

Andererseits beeinflussen die eigenen Bewegungen und die damit unmittelbar intendierten Wahrnehmungen die eigene Befindlichkeit, das eigene Erleben und Denken. Eine scheinbar von außen angestoßene Bewegung, eine veränderte Körperhaltung kann sich auf den ganzen Leib, das Fühlen, Körperfühlen und Denken, auswirken.

Bewegung ermöglicht die Veränderung der eigenen Befindlichkeit.

Diese Erlebens-, Ausdrucks-, Erkenntnis-, Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten menschlicher Bewegung sind das Medium einer ganzheitlichen Bewegungstherapie. Sie versucht, über gezielte Wahrnehmungs- und Ausdrucksübungen, die Gestaltung angeleiteter und freier Bewegungssituationen, wie auch über funktionelle gymnastische Übungen und Bewegungen, verschiedenen Sportarten und den Tanz mit den Menschen gemeinsam einen Zugang zu sich selbst zu schaffen und auszugestalten, Konflikte im Hier und Jetzt zu bearbeiten sowie die gesunden Ich – Anteile und Handlungsmöglichkeiten zu erhalten und zu fördern. Gleichwohl kann das eigene Empfinden zum Ausdruck gebracht und damit transparent gemacht werden. Dieses Bewusstsein erst ermöglicht die Beeinflussung des eigenen Erlebens – sowohl in Hinsicht auf Emotionen wie auch auf die Regulation möglicher „Miss-Empfindungen“ wie Verspannungen oder Schmerzen, die dabei stets im Zusammenhang mit der gesamten derzeitigen Lebenssituation eines Menschen zu betrachten sind. Wissend um diese Effekte, finden sich bewegungstherapeutische Angebote nicht nur im Bereich orthopädischer und neurologischer Krankheitsbilder, sondern sie erfahren auch zunehmend Beachtung in der Behandlung psychiatrischer und psychosomatischer Erkrankungen. Diese Entwicklung ist nicht weiter verwunderlich, erleben doch viele Menschen in der heutigen, schnelllebigen Zeit eine zunehmende Entfremdung zu ihrem Körper. Er soll funktionieren, gesund bleiben, nicht zur Last fallen. Daneben ist menschliche Arbeit zunehmend durch kognitive Anforderungen und immer weniger von körperlichen Anforderungen geprägt – mit weitreichenden Folgen. Umso wichtiger sind ganzheitliche Bewegungsangebote, die diese Entfremdung gezielt aufhalten und ihr entgegen wirken. Achtsame und lustvolle Bewegungen ermöglichen es dem Menschen, den eigenen Körper weiter als Teil seiner Identität, als Medium zum Ausdruck seines Selbst und in Kommunikation mit anderen zu erleben.

Doch dieser Gedanke ist nicht neu. Viele der heutigen Bewegungstherapien, wie wir sie in den westlichen Ländern kennen, haben eine lange Tradition. Bereits die Gymnastik im antiken Griechenland oder die Naturheilkundebewegung setzten sich mit dem gesundheitlichen Aspekt menschlicher Bewegung auseinander. Diese Gedanken finden sich im Philantropismus des 18. Jahrhunderts wieder, hier sei exemplarisch auf die Ausführungen von Johann Ch. Guthsmuts verwiesen. Im 19. Jahrhundert dann entwickelten sich erste leib-und bewegungspädagogische Konzepte. Geneviève Stebbins beispielsweise setzte sich in ihrer Arbeit intensiv mit den Aspekten Atem, Gymnastik, darstellende Bewegung und Rhythmik auseinander; Isodora Duncon und Rudolf von Laban gelten noch heute als Pioniere im Bereich des Ausdruckstanzes. Von deutscher Seite habe Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen mit ihren Arbeiten zur Atem-, Sprech- und Stimmlehre die heutige Atemtherapie wesentlich mit geprägt. Diese Grundannahmen finden sich bei nach wie vor aktuellen Ansätzen wie dem „Erfahrbaren Atem“ nach Ilse Middendorf wieder.

Exemplarisch für die westliche Entwicklung soll nachfolgend die Entwicklung ganzheitlicher Bewegungstherapie auf Basis der Arbeiten der deutschen Gymnastikpädagogin Elsa Gindler näher dargestellt werden. Gindler (1885 – 1961) entstammte einer Berliner Handwerkerfamilie und trat nach der Volksschule zunächst als Büro- und Schreibkraft ins Berufsleben ein. Aufgrund ihrer Tuberkulose-Erkrankung setzte sie sich jedoch früh mit der Atemtherapie auseinander (übrigens stellt dies keine Ausnahme dar – zahlreiche weitere Pioniere bekannter Bewegungsansätze wie beispielsweise Moshe Feldenkrais beschäftigten sich aufgrund eigener körperlicher Beschwerden mit der Thematik!). So gehörte Elsa Gindler wenig später zu den ersten Schülerinnen des „Seminars für Harmonische Gymnastik“ bei Hede Kallmeyer in Wannsee. Nach dem Krieg und zuvor intensiver Auseinandersetzung mit verschiedenen Bildungskonzepten baute sie, gemeinsam mit einer Schülerin, eine eigene Praxis in der Ehrenbergstraße auf. Zusammen mit Heinrich Jacoby gab sie zahlreiche Kurse, die auch von Vertretern anderer Professionen wie des Tanzes, der Pädagogik, der Medizin oder der Psychologie besucht wurden. So inspirierte Gindler mit ihrer Bewegungsarbeit das berufliche Wirken anderer Menschen und bildete für nicht wenige Lern- und Therapiekonzepte die Grundlage. Das Autogene Training nach J.H. Schultz oder die Konzentrative Bewegungstherapie nach Helmut Stolze, Sensory Awareness nach Charlotte Selver wie auch das Bobath-Konzept seien hierfür beispielhaft genannt. Der Ansatz des bewussten Sich-Erlebens und der Selbsterfahrung beeinflusste darüber hinaus auch Psychotherapeuten wie Wilhelm Reich, Erich Fromm oder Fritz Perls. Daneben wird in den Ansätzen von Carola Speads (Atemgymnastik), Lily Ehrenfried (Gymnastique Holistique), aber auch bei Moshe Feldenkrais (Bewusstheit durch Bewegung) und Norbert Klingenberg (Achtsamkeit in der Körperverhaltenstherapie) ihr Wirken deutlich. Das Wesentlich ihres Ansatzes beschreibt Elsa Gindler wie folgt: „Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht nicht der menschliche Körper, sondern der Mensch. Der Mensch als Ganzes in all seinen Beziehungsmöglichkeiten zu sich, seinem Körper, zu seinem Leben und zu seiner Umwelt.“ Ihre Aufgabe sah sie in der Wahrnehmung des persönlichen Zustands und an der Arbeit mit den „individuellen Entfaltungskräften“ mit dem Ziel, den Alltag und das Leben mit seinen funktionellen Bedingungen und gesellschaftlichen Herausforderungen angemessen und im Einklang mit dem eigenen Verhalten und Erleben gestalten zu können. „Wahrnehmen, was wir empfinden“, „still werden, wacher, erfahrungs- und reagierbereit“ sowie „zulassen, dass sich etwas ändert“ sind viel zitierte Aussagen von ihr, die die Voraussetzung für eine selbständige Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln für ein verhältnisgerechtes Verhalten widerspiegeln. Durch prozesshaftes und (überwiegend körperliches) Probieren und Erfahren sollte die Selbstaufmerksamkeit geschult und die Propriozeption verbessert werden, um innere Kräfte wie Berührbarkeit, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit zu wecken und zu stärken – also jene innere Widerstandskräfte, die wir heute in Konzepten wie dem der Resilienz wiederfinden. Doch auch in anderen – insbesondere in den östlichen - Kulturkreisen haben sich Vertreter verschiedener Ansätze und Lebensphilosophien seit jeher mit dem Aspekt Bewegung ganzheitlich auseinander gesetzt.

Der Yoga-Weg

Als um 1890 einige wenige Deutsche damit begannen, das aus Indien stammende Yoga praktisch auszuüben, war noch nicht absehbar, dass etwa hundert Jahre später eine halbe Million Deutsche Yoga regelmäßig praktizieren würden – Tendenz steigend. Doch was genau ist Yoga? Der Begriff stammt aus der indischen Sprache des Sanskrit und meinte in seiner ursprünglichen Bedeutung von vor etwa dreitausend Jahren das Anschirren oder Anjochen von Zugtieren vor einem Wagen. Als die Inder später systematisch damit begannen, die Natur des Menschen zu ergründen, erkannten sie, dass die menschlichen Triebe und Sinne – analog zu wilden Tieren – an den „Wagen des Geistes angeschirrt“ werden müssen, um so menschliche Vervollkommnung erreichen zu können. Heute gilt Yoga als Oberbegriff für eine Fülle an Techniken und Methoden, die alle ein gemeinsames Ziel haben: die (Wieder-) Herstellung der wahren Wesensidentität des Menschen, die Verwirklichung von reinem Sein, reiner Erkenntnis und reiner Wonne. Der Indologe Erich Frauwallner formuliert die Ziele des Yoga in seiner Definition wie folgt: „Unter Yoga versteht der Inder das Streben, vermittels systematischer Schulung des Körpers und Geistes auf dem Wege innerer Sammlung durch unmittelbares Schauen und Erleben die erlösende Erkenntnis oder die Erlösung selbst zu erlangen.“ Yoga ist demnach keine Lehre, sondern eine Methode, und kann als solche mit den verschiedensten Lehren in Verbindung treten. Übergeordnetes Ziel ist dabei stets die spirituelle Selbstverwirklichung. Doch wie wird Yoga heute in der westlichen Welt gelebt und verstanden? Hierbei sind verschiedene Zugänge zu beobachten. Der Großteil der Yoga-Praktizierenden nimmt aus gesundheitlichen Gründen am Yogaunterricht teil. Diese Menschen möchten lernen, sich zu entspannen, den Stress und die Anspannung des Alltags besser zu überwinden. Aspekte wie ein gezieltes Körpertraining, die Verbesserung des Lebensgefühls, aber auch die Steigerung der (körperlichen) Leistungsfähigkeit und die Reduzierung körperlicher Beschwerden rücken in den Vordergrund. Doch häufig vollzieht sich durch das Praktizieren der Yoga-Übungen eine Wandlung: die Übenden werden nicht nur gesünder, sondern auch deutlich feinfühliger, wacher, offener, interessierter, werden ruhiger, gelassener, zeigen mehr Verständnis für ihre soziale Umwelt und zeigen sich in Konsequenz oftmals verantwortungsbewusster. Ins Zentrum des Interesses rückt dann auch der Geist, das, was den Körper belebt und wovon sein Wohlergehen abhängig ist. Menschliche Beweggründe werden erforscht, über Sinnzusammenhänge nachgedacht. Der Übende wird so offen für den spirituellen und philosophischen Aspekt des Yoga.

Doch daneben sind auch Parallelen zur verschiedenen psychologischen Schulen erkennbar. Exemplarisch sei hier auf die Humanistische Psychologie verwiesen, die sich auf die philosophischen Werte des Humanismus und des Existenzialismus beruft. Demnach strebt jeder Einzelne nach individueller und gesellschaftlicher Entfaltung der humanistischen Grundwerte – allen voran die Selbstverwirklichung. Diese umfasst das Streben in Richtung persönlicher Reife, Bereicherung des Lebens und der Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber. In Hinblick auf Yoga gibt die Schule des Humanismus Anregungen, wie auf dem Yoga-Weg die persönliche Entwicklung des Yoga-Übenden gefördert wird. Der Übende sollte sich selbst mit einer inneren Haltung des Nicht-Bewertens, der Achtung und Offenheit für Schwächen (Echtheit) gegenübertreten. Diese Haltung wird als Basis verstanden, um nachfolgend konstruktiv mit diesen arbeiten zu können. Unterdrückung und negative Bewertung sich selbst gegenüber würde den vom Yoga getragenen Wachstumsprozess blockieren. In Hinblick auf eine ganzheitlichen Bewegungstherapie spielt dennoch die gesundheitsförderliche Wirkung des Yoga eine zentrale Rolle. Zunächst kommt es zur Verbesserung der vegetative Balance, d.h. in Hinblick auf den vegetativen Status ist von einer Anti-Stress-Wirkung auszugehen. Das vegetative Leistungsvermögen wird gesteigert. Weiter kommt es zu einer Verbesserung der Muskelkraft und zu einer gesteigerten Beweglichkeit, die selbst für den Laien augenscheinlich ist. Die vielfältigen Asanas bewirken als Ausgleich zum oftmals einseitigen und bewegungsarmen Alltag eine Belastungsumverteilung in den Gelenken, was als wichtiger Aspekt in der Vorbeugung und Behandlung von Wirbelsäulenbeschwerden zu werten ist. Insbesondere Asanas, die eine gewisse Balance erfordern, wirken konzentrationsschulend. Die sensomotorische Regleroptimierung, d.h. das Zusammenspiel des Nervensystems mit der Muskulatur, bildet mit der mentalen Konzentration eine psychosomatische Einheit – eines bedingt das andere. Darüber hinaus werden zahlreiche körperliche Auswirkungen, wie beispielsweise auf den Stoffwechsel, diskutiert. Doch noch eine weitere östliche Methode mit langer Tradition gerät zunehmend ins gesundheitswissenschaftliche Interesse.

Qi Gong

Qi Gong ist ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Medizin, die eine Jahrtausende alte Tradition hat. Es gibt über 5000 Arten von Qi Gong, die von Taoisten, Buddhisten, Ärzten der TCM und anderen überliefert wurden. Qi Gong versteht sich dabei als eine ganzheitliche Präventions- und Heilmethode, die Körper, Geist und Seele anspricht und darf damit somit zu Recht als ganzheitlicher bewegungstherapeutischer Ansatz gewertet werden. Qi meint eine Art ursprünglicher, vitaler Energie im Körper des Menschen. Es gibt das angeborene Qi, das der Mensch bereits im Mutterleib empfängt, und das erworbene Qi, das der Mensch täglich mit seiner Nahrung und Atmung aufnimmt. Dieser „Lebenssaft“ ist aus Sicht des Qi Gong allgegenwärtig und doch nicht sichtbar. Er strömt durch den menschlichen Körper und ist lebensnotwendig für den gesamten Organismus. Er ist nicht greifbar, jedoch ist seine Auswirkung in körperlicher, geistiger und seelischer Sicht spürbar. Der ungehinderte Fluss des Qi und der harmonische Umgang damit wurden in China daher stets als Grundvoraussetzung für Gesundheit und Vitalität gesehen. Die Bedeutung des Gong liegt in der Aktivität, etwas für sich selbst zu tun. Ziel ist es, Zeit für sich selbst zu nehmen, sich selbst zu finden und störende Gedanken bewusst abschirmen zu lernen. Gong bedeutet jedoch auch „beharrliche Arbeit“ – dieser Aspekt spricht für sich selbst. Durch Qi Gong-Übungen soll der Übende in die Lage versetzt werden, das Qi im Körper in einem gleichmäßigen Fluss zu halten, den Qi-Fluss zu harmonisieren und damit Krankheiten entgegen zu wirken. Somit kann Qi Gong als Weg gesehen werden, durch eigenes Tun gesund zu bleiben. Im Westen ist Qi Gong hauptsächlich durch die langsamen, meditativ durchgeführten Bewegungsübungen (Dong Gong) bekannt, die in China viele Menschen allmorgendlich in vielen öffentlichen Parks zur Gesunderhaltung durchführen. Diese sollen den Qi-Fluss anregen, sodass der in unserer heutigen Lebenswelt überlastete und erschöpfte Mensch durch die Aufnahme unverbrauchter Energie einen gesunden Ausgleich erfahren kann. Weiter sind im Westen die „Acht Brokatübungen“ weit verbreitet. Diese Kombination aus Körper-, Atem- und Meditationsübungen im Qi Gong dienen der Re-Balancierung von Qi-Disharmonien sowie der Aufnahme des Qi aus der Umgebung (Sonne, Luft und Erde). So können in gewissen Grenzen Mangelzustände ausgeglichen und durch regelmäßiges Üben sowohl das körperliche wie auch das seelische Gleichgewicht erhalten werden.

Fazit

Die ganzheitliche bewegungstherapeutische Arbeit hat also eine lange Tradition – sowohl in der westlichen wie auch in der östlichen Welt. Betrachtet man die Schnelllebigkeit unserer Zeit und die vielfältigen Belastungen, denen Menschen heute ausgesetzt sind, so sind bewegungstherapeutische Konzepte wie die oben beschriebenen jedoch zeitgemäßer denn je! Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen ihre gesundheitsförderliche Wirkung, weshalb von einer steigenden Verbreitung – auch und besonders im Gesundheitswesen – auszugehen ist. Schon heute fördern Krankenkassen im Bereich der Prävention Ansätze wie Qi Gong und Yoga mit einer Übernahme der Kurskosten von mindestens 80 Prozent (unter Voraussetzung der fachlichen Eignung des Dozenten), auch in den Kliniken ist ein zunehmender Stellenwert bewegungstherapeutischer Ansätze zu beobachten – eine erfreuliche Entwicklung.

Bundesverband Deutscher Yogalehrer: Der Weg des Yoga. Handbuch für Übende und Lehrende. Petersburg, 2009

Höhmann-Kost, A.: Bewegung ist Leben. Integrative Leib- und Bewegungstherapie – eine Einführung. Bern, 2002

Kopelsky, C.M.: Achtsamkeit und Resilienz. Von der Wiederbelebung alter Werte. GymNess 1/2014

Steinäcker, K.v.: Luftsprünge. Anfänge modernder Körpertherapien. München, 2000

Weiß, H.R.: Qi Gong. München, 1999