17.11.2016
campus naturalis

Reise nach Indien - ein Erfahrungsbericht zum Staunen und Schmunzeln

Die Autorin nimmt den Leser in ihrem Bericht mit zu einer Ayurveda-Kur und Fortbildung in Kerala mit anschließender Rundreise durch diesen fasziniereden Bundesstaat Südindiens. #

Die Fahrt

Die Fahrt nach Indien war die Hölle. Schuld daran hatte die Deutsche Bahn. Kurz hinter Berlin hielt der Zug, der uns zum Flughafen Frankfurt bringen sollte, an. Wenn man eigentlich genug Pufferzeit eingeplant hat und darauf wartet, dass die Bahn, die einen zum Flugzeug bringen soll, weiter fährt, dann durchläuft man die Phasen: Erschrecken (was ist das jetzt?) – Abwiegeln (geht gleich weiter) – hektische Aktivität (was ist der nächste Anschlusszug?) – Hoffnung (jetzt geht’s weiter!) – Wut (nicht wiederzugebende Schmähworte auf die Bahn) – Fatalismus (keine Ahnung, was wir jetzt machen sollen) – Erschöpfung (man stiert vor sich hin) – Heiterkeit (der Geist ist leer – man ist sozusagen völlig in seiner meditativen Präsenz). Wir saßen also da und durchliefen. Erste Ansage: Oberleitungsstörung, wir warten auf den Zug vor uns. Zweite Ansage: Wir warten auf mehrere Züge vor uns. Dritte Ansage: Es gibt ein Freigetränk im Bistro-Wagen. Vierte Ansage: Bitte bringen Sie die Fahrkarte in den Bistro-Wagen mit, denn es gibt nur EIN Freigetränk pro Person. Fünfte Ansage: Die Person, die nach einem Mahl im Bistrowagen einfach gegangen ist ohne zu zahlen, soll sich bitte melden. Mit knapp drei Stunden Verspätung waren wir am Flughafen und der Flug war weg. In solchen Momenten wird man zum routinierten Reisenden. Wir buchten um. Wir buchten völlig um. Statt mit Air Kuwait über Kuwait zu fliegen, war der Plan nun, mit Emirates nach Dubai zu fliegen und dann mit Air India nach Trivandrum. Bis Dubai ging alles nach Plan. Dort hätten wir 6 Stunden Aufenthalt gehabt. Wir waren schon recht zermürbt und verbrachten die Zeit mit dösen und essen, essen und dösen. Leider hatte Air India 4 Stunden Verspätung. Wir waren an einem Punkt angelangt, wo wir diese Meldung einfach hinnahmen. Das Flugzeug von Air India sah von innen aus, als ob es gebastelt wäre, aber es flog sicher und an Bord gab es selbstverständlich vegetarisches Essen. Mit 16 Stunden Verspätung kamen wir wohlbehalten in Trivandrum an und wurden von einem gut gelaunten Mitarbeiter des Somatheeram Ayurvedic Resorts abgeholt und „nach Hause“ gebracht. Wir waren glücklich.


Ayurveda in Kerala

Das Somatheeram liegt in Kerala, dem reichsten Indischen Bundesstaat. Was bedeutet das?

Unser Reiseführer vergleicht den Bundesstaat mit den USA:

USA Kerala
Durchschnittliche Lebenserwartung 72 Jahre 70 Jahre
Alphabetisierungsrate 95% 91%
Geburtenrate 16/1000 18/1000
Durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen 22.500$ 400$


Aber was bedeutet das wirklich? Als Tourist bemerkt man folgendes: Es gibt sehr viele arme Menschen, aber auch für indische Verhältnisse auffallend viele Mittelstandhäuser und Villen. Die Kinder sind gut versorgt und gehen zur Schule. Die Preise für Dinge, die man wirklich braucht sind extrem günstig, Luxusgüter kosten beinahe dasselbe wie in Europa. Man merkt, dass sich das Land im Aufbruch befindet. Überall werden Häuser gebaut und Geschäfte gemacht. Das Somatheeram Ayurvedic Resort ist fast ein kleines Dorf. Die Kurgäste wohnen in kleinen Häuschen, es gibt einen Bereich, wo die Häuser mit den Behandlungsräumen sind, einen Arztbereich, eine Rezeption, Speise-Häuser, eine Yoga-Halle, einen Laden und sogar einen eigenen Schneider. Und natürlich einen Pool. Das Resort liegt am Hang, was zur Folge hat, dass man von überall einen großartigen Ausblick über die arabische See hat.



Die Erstkonsultation

Als Kurgast hat man zwei Leben: Die Freizeit und die Kur. Die Kur beginnt mit einer offiziellen Aufnahme und der Erstkonsultation. Sie wird von einem erfahrenen Arzt und einer erfahrenen Ärztin durchgeführt. Ziel der Erstkonsultation ist die Feststellung der Prakriti, das heißt der Konstitution, mit der der Patient geboren wurde, sowie seiner aktuellen Konstitution (Vikriti). Man bekommt viele Fragen gestellt, der Blutdruck wird gemessen und der Puls analysiert und die Organe werden abgetastet. Die Konstitutionen werden später verwendet, um die Behandlungen und die Speisen, die man während der Kur zu sich nehmen soll, festzulegen.


Mein Leben als Kurgast

Die Behandlung begann mit einem Aperitif. Ich saß im Wartezimmer und bekam einen Becher gereicht. Wobei das Wartezimmer an der frischen Luft unter einem traditionellen Palmendach ist, genauer gesagt, es ist der Eingangsbereich des Arztgebäudes: Auf einer Veranda sind bequeme Stühle und ein Schreibtisch aufgestellt. Man kann mit anderen Gästen plaudern und die angenehme Atmosphäre genießen.

Doch was war das? Leider bestand mein Aperitif aus Ghee – geklärter geschmolzener Butter – und es kostete mich einige Überwindung, den ganzen Becher zu schlucken. Vor allem wenn ich noch nicht wusste, dass mich „nur“ eine dicke Schicht Ghee auf heißen Wasser erwartete. Zunächst dachte ich, ich müsste das Äquivalent eines viertel Butter-Päckchens in mich rein schütten. Aber so schlimm ist es dann doch wieder nicht. Für die nächsten Tage war dieser Buttertee mein erstes Frühstück – meine Behandlungen begannen um 8 Uhr. Dann wurde ich von Anil, meinem Therapeuten, abgeholt und wir gingen zusammen zu den Behandlungsgebäuden. Im Somatheeram wird Wert auf die traditionelle Behandlung im Ayurveda gelegt. So wird sowohl die physische Untersuchung als auch die Behandlung bei Männern immer von Männern, bei Frauen immer von Frauen vorgenommen. Die Häuser im Somatheeram sind im Kerala-Stil gebaut, das heißt, es sind eigentlich nur Ziegelwände ohne Decken. So wird ohne Klimaanlage ein angenehmes Klima auch in den heißen Monaten der Trockenzeit ab Oktober/November gewährleistet. Das ganze Haus wird von einem Giebeldach aus Bananenblättern bedeckt, aber wenn man wollte, könnte man über die Wand von einem Zimmer ins nächste klettern. Wenn man auf dem Rücken liegt, blickt man in das Dachgebälk und kann manchmal sogar den dort wohnenden und turnenden Eichhörnchen zuschauen. Die Behandlungsräume haben Fensteröffnungen (ohne Fensterglas), aus denen man zum Teil sogar das Meer sieht. In allen Räumen hängt ein Bild von Dhanvantari.


Dhanvantari gilt im Hinduismus als Arzt der Götter und Ursprung aller Heilkunst.

In einer der vielen Versionen der mythologischen Überlieferungen schickte ihn Indra auf die Erde, wo er als Königssohn in Kashi (heute Varanasi, früher Benares) am Ganges geboren wurde. Ein anderer Mythos vom Milchozean dagegen berichtet über sein Erscheinen aus dem Urmeer. Bereits die ältesten hinduistischen Schriften, die Veden, erwähnen Dhanvantari, der mit Kräutern und Medizin assoziiert wird. Die Puranas (alte Schriften über die Götter) beschreiben ihn als Inkarnation von Vishnu. Besonders Anhänger der alten indischen Medizin, des Ayurveda, betrachten ihn als ihren Schutzgott. Seine Verehrung beschränkt sich jedoch überwiegend auf den Süden Indiens, im Norden gibt es keine Dhanvantari Tempel. Abbildungen zeigen Dhanvantari als schönen jungen Mann, gelb gekleidet, „stark wie ein Löwe“, manchmal mit zwei Händen dargestellt, oft wie Vishnu mit vier. In jedem Fall hält er den Topf mit dem Trank der Unsterblicheit „Amrita“ in einer Hand, häufig Kräuter in der anderen. Weitere wechselnde Attribute können Muschelhorn, Diskus oder Blutegel sein.

Am Anfang der Behandlung entzünden die Therapeuten und Therapeutinnen Räucherstäbchen und begrüßt den Gast rituell. Ich saß zunächst auf einem Hocker. Zu Beginn wurden Kopf und Gesicht massiert, dann ausführlich Oberkörper, Bauch und Arme und die Beine. Jeder einzelne Finger und jede Zehe wurde mit einem kurzen Ruck zum Knacken gebracht! Danach musste ich mich auf eine Matratze am Boden legen, um eine Behandlung zu genießen, welche eine Spezialität des Somatheeram ist: Die Massage mit den Füßen. Diese „Reyuvenation Therapy“ getaufte Behandlung hat Ihren Ursprung in der indischen Kampfkunst Kalari. Der geübte Therapeut stützt sich mit einer Hand an der Wand ab und hält sich mit der anderen an einem Seil fest, das von einem Deckenbalken hängt. Dann führt er eine komplette Ganzkörpermassage mit dem Fuß durch! Die Massage, die nur von ausgebildeten Könnern gegeben werden darf, ist wohltuend kräftig, aber nie schmerzhaft. Sie endet mit einem schnellen, tiefen „Tritt“ in den Bauch, was viel Vertrauen erfordert, aber ebenfalls keinerlei Schmerzen verursacht. Je nach Kurplan stehen dann für die Gäste Nasya, Abhyanga (Ölmassage mit typgerechten medizinierten Ölen), Udvartana (Pulvermassage mit typgerechten Cerealien und Kräutern), Shirodhara (Ölstirnguss) und unterschiedliche andere Behandlungen auf dem Plan.


Der Tagesablauf im Resort

Wie verbringt man als Kurgast seine Zeit? Unser Tag begann um 8 mit 2 Stunden Behandlungen. Danach ging es erst einmal zum Frühstück. Mit Blick aufs herrliche Meer ließen wir die Öle einwirken und genossen die Speisen. Nach einer Verdauungspause folgte eine Stunde Yoga. Auch ungeübte Gäste bemerken schon nach wenigen Tagen, wie gut diese tägliche Routine tut. Die Yoga-Lehrerin unterrichtete selbstverständlich im traditionellen Salwar Kameez, der neben dem Sari am stärksten verbreiteten Kleidung indischer Frauen.

Danach begaben wir uns zum Mittagessen. Die Speisen sind den jeweiligen Konstitutionen zugeordnet, so dass Kurgäste die für sie passende Ernährung wählen können. Die Speisen sind abwechslungsreich und delikat zubereitet und machen so auch Zweiflern die Ernährungsumstellung leicht. Wer vormittags seine Behandlungen hat, steht der Nachmittag zur freien Verfügung. Besonders beliebt bei den weiblichen Kurgästen sind die zahlreichen Schneider, die sich in der unmittelbaren Umgebung des Resorts niedergelassen haben. Hier kann man mit dem Aussuchen von Stoffen und Schnitten, mit Anprobieren, Änderungswünschen und Folgeaufträgen schon mal ein paar Stunden verbringen. Die Auswahl und Qualität der Stoffe ist einzigartig und die Kleidungsstücke sind meist am nächsten Tag schon fertig, so dass der Gang zum Schneider für viele zum Tagesablauf gehört. Weiterhin bieten sich Fahrten nach Trivandrum oder Kovalam an, den nächstgelegenen Städten, um dort Sightseeing zu machen oder einkaufen. Hierfür kann man direkt im Resort Taxis buchen, deren Preis ungefähr drei Busfahrkarten in Deutschland entspricht. Während und nach dem Abendessen organisiert das Resort oft kulturelle Events, wie Kochvorführungen, traditionelle indische Musik oder Tanz.


Alles hängt miteinander zusammen: oder Besuch im Ganesh-Tempel

Da Kerala an der Südspitze von Indien liegt, ist es auf dem Seeweg der erste Punkt, der von Europa aus erreicht wird. Deswegen landete Vasco da Gama 1498 in Kerala und errichtete 1503 eine portugiesische Festung in Cochin (was bedeutet, dass Kerala damit kolonialisiert war). Deswegen ist Kerala noch heute überwiegen christlich. Und deswegen war George, unser Taxifahrer, recht zurückhaltend damit, uns zu einem Hindu-Tempel zu fahren. Aber er war auch sehr freundlich und da wir häufig baten, kamen wir schließlich am Ganesh-Tempel in Trivandrum an.

Ganesh ist der beliebteste indische Gott, da er die Eigenschaft hat, alle Schwierigkeiten zu überwinden, und das kann man gut brauchen. Außerdem hat er einen Elefantenkopf (mit einem abgebrochenen Stoßzahn). Und das kam der Legende nach so: Shivas Frau, Parvati, war nicht amüsiert darüber, dass ihr Mann gewöhnlich immer dann auftauchte, wenn Sie gerade ein Bad nahm. Deswegen schabte Sie sich die Haut mit einem wohlriechenden Peeling ab und baute aus diesem Lehm, den sie mit Gangeswasser übergoss, nach Götterart, einen Jungen, den sie Ganesh nannte und der Ihr Wächter war. Nur ist Shiva der Gott der Zerstörung, weswegen er sich von dem Wächter nicht abschrecken lies und ihm kurzerhand den Kopf abriss. Das war unklug (aber Shiva ist ja auch nicht der Gott der Klugheit), denn nun war Parvati sauer und Shiva hatte ein schlechtes Gewissen. Er versprach, so schnell wie möglich einen neuen Kopf zu besorgen und rannte in den Wald. Das erste Lebewesen, das ihm begegnete, war ein Elefant.

Als Ganesh erwachsen geworden war, war er auch nicht von Pappe: Besonders gut gefielen ihm opulente Festmähler. Eines Abends hatte er sich bis zum Anschlag vollgestopft und ritt im Mondlicht auf seinem Reittier, der Ratte, als plötzlich eine Schlange auf dem Weg erschien. Die Ratte scheute, Ganesh stützte auf den Boden und – platzte. Schnell machte er sich daran, alles, was auf dem Weg herumlag wieder zurück in seinen Bauch zu stopfen und band sich den Bauch mit der Schlange zusammen. Der Mond hatte alles mit angesehen und konnte vor lachen nicht an sich halten. Vor Wut riss sich Ganesh seinen eigenen Stoßzahn aus und warf ihn nach dem Mond. Ob das wohl den Mond zum Schweigen brachte? Die indische Mythologie ist reich an Geschichten wie diesen.


Aber zurück zur Realität:

Wir jedenfalls standen nach Einbruch der Dunkelheit auf einer Kreuzung mitten in Trivandrum, um uns herum brandete der tosende indische Verkehr aus Autos, Bussen, Motorrikshas, Mopeds, Fahrrädern und natürlich Fußgängern. Da man den Tempel nur rein betreten darf, zogen uns die Schuhe aus und wuschen uns die Füße - in einen Tempel geht man barfuss. Der Tempel hat zunächst einmal einen Vorhof. Dort war ein ziemliches Gedränge, denn gerade war ein Ritual im Gange. Eine Glocke wurde wieder und wieder angeschlagen. Vor mir war eine Art Wanne aus Marmor. Immer wieder drängten sich Männer neben mich, die eine Kokosnuss dabei hatten. Einer hatte auch einen ganzen Beutel voll Kokosnüsse. Die Männer bewegten die Nüsse in Kreisen um ihren Kopf und schmetterten sie dann mit ganzer Kraft in die Wanne, wo sie zerschellten. Die Splitter der Nüsse werden später den Gläubigen (und uns) als Opfergabe gereicht.

Die Tür zum Heiligtum war offen und man konnte hineinschauen. Typisch Indien: Jemand lächelte mich an, nahm mich am Arm und zog mich an eine Stelle, wo man besser sehen konnte. Drinnen war eine Ganesh-Statue, über und über mit brennenden Kerzen erhellt und ein Priester räucherte mit einem Weihrauchgefäß, ein anderer reichte den Gläubigen eine Feuerschale und die Gläubigen legten beide Hände nahe an das Feuer im Gefäß und legten sie anschließend auf Stirn und Augen.So stand man da und schaute, manche rutschten auf Knien in das Heiligtum, manche gingen durch einen Seiteneingang hinein und manchen genügte es, nur den Glanz der Gottheit anzuschauen. Es war beeindruckend die Innigkeit der Menschen während des Rituals zu beobachten, obwohl alles permanent in Bewegung war, versanken einzelne offenbar tief in ihre innerliche Meditation.


Katakali

In Publikationen über Kerala ist sehr oft ein Mann mit einem grün bemalten Gesicht zu sehen. Das ist die Hauptfigur des Katakali, des traditionellen Keralesischen Tanzes. Eines Abends hatte das Somatheeram eine Katakali-Vorführung extra für die Kurgäste organisiert. Katakali erzählt Geschichten durch Tanz. Das maskenartige Schminken der Tänzer nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Wir hatten das Glück, dass sich die Gruppe mit ihrem Programm auf uns eingestellt hatte und erst einmal alles erklärt wurde. Beim ersten Anblick ist man von der Fülle der Masken und Kostüme überwältigt und sieht nur recht artifiziell anmutende Gesten und Mimik, aber mit einer kurzen Erklärung kann jeder der Geschichte folgen, denn wenn man erst einmal weiß, was der Tanz ausdrückt, bekommt man auch die Nuancen der Handlung mit.

Wir bekamen zunächst als Einleitung die Darstellung verschiedener Gefühle, Dialogelemente und Tiere durch einen Tänzer zu sehen. Bald schon nahmen die Zuschauer an der Darstellung teil, wie wenn Sie ein Theaterstück oder einen Film sehen würden. Die Darstellungskraft des Tänzers war so groß, dass, als er die Aufforderung „Komm!“ tanzte, tatsächlich einige Zuschauer (freiwillig!) auf die Bühne kamen und dort etwas ratlos verweilten. Glücklicherweise tanzte er danach „Geh!“ und die Statisten waren wieder entlassen. Die pantomimische Sprache des Katakali ist offensichtlich universell verständlich und leicht zu vermitteln – eine Art Esperanto des Tanz. Nach der Einführung wurde uns noch ein Heldenepos vorgespielt, nachdem die

Handlung zuvor von einem Sprecher erläutert wurde. Unsere Bedenken die doch fremde Darstellung könnte langatmig werden, war völlig unbegründet, im Gegenteil – die Geschichte war höchst kurzweilig und amüsant.


Die Ayurveda-Fortbildung im Somatheeram

Ayurveda lehren ist dem 12 köpfigen Ärzteteam um Dr. C. A. Raman ebenso vertraut wie die tägliche Anwendung der Lehre vom Leben im Rahmen der Kuren. Der inzwischen beinahe 80jährige Chefarzt ist ein lebendiges Beispiel für die gesunderhaltende Kraft des Ayurveda – praktiziert er doch mit dem gleichen Elan wie seine deutlich jüngeren Kollegen und bereichert sie mit seinem lebenslangen reichen Erfahrungsschatz. Er blickt auf über 50 Jahre Erfahrung im Ayurveda zurück, während derer er unter anderem Leiter der Ayurveda Abteilung des Gesundheitsministeriums und Sonderbeauftragter für Volksmedizin und volksmedizinische Therapie in Kerala war. In Kontakt mit Ayurveda kam Dr. Raman durch seinen Onkel, der ein Vaid – ein traditioneller Ayurveda Arzt – war und ihn in seinem Entschluss selbst ein Vaid zu werden bestärkte. Die Fortbildung ist eine großartige Möglichkeit für bereits vorgebildetete Ayurvedakundige ihr Wissen zu vertiefen und vom großen Erfahrungsschatz des Ärzte- und Therapeutenteams zu profitieren. Der Unterricht findet in einer charmanten Halle unter einem palmenbedeckten Dach statt. Der unterrichtende Arzt oder die unterrichtende Ärztin wird in den Praxissequenzen durch Therapeut/innen unterstützt. Umfassender und atmosphärischer kann man Ayurveda kaum erlernen! Neben dem Unterricht erleben die Teilnehmer/innen das entspannende Tagesgeschehen vor Ort, nehmen selbst Behandlungen, praktizieren Yoga und genießen die hervorragende Küche.



Ausreise

Es war mein erster Aufenthalt in Indien, und ein großes weit verbreitetes Vorurteil über Indien habe ich verloren: Indien ist nicht unorganisiert! Alle unsere Pläne in Indien konnten problemlos verwirklicht werden, und die Menschen, die mit uns zusammengearbeitet haben, waren absolut zuverlässig und so pünktlich, dass es manchmal sogar für uns peinlich war, da wir uns selbst verspäteten. Es ist sogar so, dass Indien manchmal derart organisiert ist, dass man sich auskennen muss, um damit zu recht zu kommen, und das passierte uns bei der Ausreise.

Das Prinzip ist ganz einfach: Im Zuge der verstärkten Sicherheitsmaßnahmen sind auch in Indien die Kontrollen verstärkt worden. Alle Kontrollen sind mit einem Stempel verknüpft, und man muss alle Stempel haben, um ins Flugzeug zu kommen. Und man braucht etwas, wo die Stempel draufgemacht werden können und zwar dann, wenn der Stempel verabreicht wird. Das heißt: Das Gepäck wird zunächst in der Vorhalle kontrolliert (und zusätzlich mit einer unzerreißbaren Schnur umbunden), kriegt einen Zettel dran und einen Stempel drauf. Weiter geht’s zum Check-In-Schalter. Leider hatten wir ein Stück Handgepäck dabei, das beim Check-In nicht als Handgepäck zugelassen wurde: Zurück in die Vorhalle, Kontrolle, Zettel dran, Stempel drauf. Zurück zum Check-In, Bordkarten und Gepäckscheine abgeholt. Merke: Bordkarten und Gepäckscheine haben noch keinen Stempel! Das wird sich ändern… Durch die Passkontrolle (klar, das Visum kriegt einen Ausreisestempel), dann zur Gepäck-Identifikation. Was ist das denn? Na ja, bevor das Gepäck ins Flugzeug kommt werden auf dem Rollfeld die Gepäckscheine mit den Gepäckstücken abgeglichen und jeder Gepäckschein und jedes Gepäckstück bekommt einen Stempel. Es werden nur Gepäckstücke mitgenommen die einen Stempel haben und Menschen, deren Gepäckscheine alle Stempel haben!

Als nächstes hoch zur Sicherheitsschleuse. Nach einer Stunde anstehen bekommen wir gesagt: Das Handgepäck hat die Zettel nicht dran, auf die gleich die Stempel draufkommen sollen! Ach so. Zurück zur Gepäck-Identifikation, Zettel geholt, durch die Sicherheitsschleuse, Handgepäck ist ok und kriegt einen Stempel (auf den Zettel). Zu guter Letzt werden dann bei der Bordkartenkontrolle alle Stempel überprüft und die Bordkarte kriegt auch noch einen. Damit wird’s einem nicht langweilig und wir verstanden, warum man vom Somatheeram grundsätzlich 3 Stunden vor Abflug an den Flughafen gebracht wird. Der Rest der Reise verlief ohne Zwischenfälle und schon 12 Stunden später waren wir, entspannter, reicher an Erfahrungen und natürlich gesünder zurück in Berlin.


Wilde Elefanten oder eine kleine Rundreise in Kerala

Entgegen dem an Sehendwürdigkeiten reichen Norden Indiens findet man im Süden weniger Superlativen der Baukunst wie das Taj Mahal oder beeindruckende Szenerien wie in Varanasi am Ganges. Wer aber denkt Kerala sei keine Rundreise wert, der irrt gewaltig! Atemberaubende Natur, romantische Kanäle und spannende Städte laden neben Ayurveda-Kur oder -Fortbildung zum Kontakt mit Kerala ein. Unterkünfte sollten – besonders ausserhalb der Regenzeit im Sommer – im Voraus gebucht werden.

Als Transportmittel bieten sich Kleingruppen bis zu 6 Personen PKW oder Minibus an. Der indische Verkehr ist gewöhnungsbedürftig und hat schon aus erklärten Atheisten inbrünstig betende Zeitgenossen gemacht – daher sollte man unbedingt auf ein Auto mit Fahrer zurückgreifen. (Unser wirklich besonnener und sehr guter Fahrer Montsy sagte dazu: „The problem is, there are no rules!“ – [„Das Problem ist, dass es keine Regeln gibt!“]) Die Preise sind erschwinglich, besonders wenn man durch mehrere Mitreisende teilen kann. Ein weiterer großer Vorteil mit einem ortskundigen Fahrer zu reisen ist, dass er auf Sehenswürdigkeiten abseits der Straße hinweist und auch mal einen Umweg nimmt, um einen besonders schönen Wasserfall zu sehen.

Auf keinen Fall versäumen sollte man einen Besuch im Periyar Nationalpark, der auch zur Regenzeit, die eigentlich nicht als beste Reisezeit gilt, wirklich viel zu bieten hat. Dem Maharaja von Travancore ist es zu verdanken, dass zunächst ein Stausee und letztlich ein Nationalpark in Periyar an der Grenze zum Bundesstaat Tamil Nadu entstand. Der Park bietet als Tigerschutzgebiet 32 der selten gewordenen Großkatzen ein Revier. Da Tigerreviere mehrere Quadratkilometer umfassen und die Tiere extrem scheu sind, bekommen selbst die Führer oft jahrelang keinen Tiger zu sehen. Nachdem wir allerdings auf unserer Wanderung durch den Dschungel eines seiner Beutetiere zu Gesicht bekommen hatten, waren wir auch gar nicht mehr so sicher unbedingt einen sehen zu wollen!

(Unser Führer schlug folgende pragmatische Reaktion vor: „I run and you take a photo!“ – [„Ich laufe weg und Sie machen ein Foto!“]) Einmal abgesehen von Tigern hatten wir allerdings das Glück sowohl Elefanten, Bisons, verschiedene Hörnchen, viele Affen, Wildschweine, Frösche und viel anderes Getier in freier Wildbahn zu erleben. Unser einheimischer Führer, ein Advasi (Ureinwohner) Indiens, zeigte uns nicht nur die Schönheit der Natur, sondern bewahrte uns mit Trekkingstrümpfen und Tabakpulver vor den in der Regenzeit zahlreichen und gierigen Blutegeln, die eine Wanderung ohne Schutz unmöglich machen. Mitten im Nationalpark bietet das Lake Palace Hotel dem Reisenden eine wunderschöne Unterkunft im ehemaligen Maharaja Palast an. Beim leckeren Abendessen auf der Terrasse kann man das Trompeten von wilden Elefanten hören.

Kochi gilt als Südindiens schönstes Tor zur Welt. Die Stadt liegt zusammen mit Ernakulam auf mehreren Inseln an der arabischen See und wird von zahlreichen Kanälen durchzogen. Vasco da Gama wurde hier beerdigt – man kann seinen Grabstein in der christlichen St. Francis Kirche sehen, die Mattancherry Synagoge zeugt von jüdischem Leben in Kochi und besonders der Stadtteil Fort Kochi zeugt von portugiesischem und holländischem Erbe. Die multireligiöse Gesellschaft Keralas fällt ins Auge – leben doch Christen, Hindus und Moslems hier überwiegend friedlich neben- und miteinander. Ein Muss bei einem Aufenthalt in Kochi ist eine Katakali Vorstellung. Die traditionelle Theaterkunst ist spannend und beeindruckend. Als Muss für Liebhaber indischen Kunstgewerbes gilt die Jews Street, in der sich ein Laden an den anderen reiht – hier gibt es von Kitsch bis Kunst alles was das Herz begehrt.

Von Kochi aus gelangt man schnell in das Gebiet der Backwaters. Das schier endlose Geflecht von Kanälen durchzieht das Hinterland der Küste. Seit einigen Jahren kann man die Kanäle mit Hausbooten oder Kähnen befahren. Traditionell werden die Boote ohne Motor mit einer Stange vorwärtsbewegt – eine Art der Fortbewegung wie sie übrigens bei uns im Spreewald auch üblich ist. Man kann zwischen Halbtagestouren bis hin zum mehrtägigen Aufenthalt mit Übernachtung in der Gästekajüte alle möglichen Varianten wählen. Von den Booten aus bieten sich Einblicke ins dörfliche Leben am Flussufer, ländliche Kokoshaine, Fischer bei der Arbeit oder spielende Kinder, die sich über mitgebrachte Buntstifte sehr freuen. Man ist umgeben von Geräuschen – hört man gerade noch den Muezzin aus einer Moschee rufen, an der man langsam vorübergleitet, so geht diese Geräuschkulisse über in den Gesang von Mantren aus einem am Ufer gelegenen Tempel. Die sattgrüne Landschaft ist wunderschön. Direkt in den Backwaters liegt der Ashram von Amma – Mata Amritanandamayi – hat in ihrem Heimatort Amritapuri einen Ashram gegründet. Der Ashram ist Zentrum eines karitativen Netzwerks, das Amma aufgebaut hat. Die oft mit Mutter Teresa verglichene Amma unterstützt die Armen, hat Krankenhäuser und Wohnungen, Schulen und Waisenhäuser genaut. Daneben engagiert sich die Organisation für den Umweltschutz und hat große Hilfe beim Wiederaufbau nach dem Tsunami geleistet. Die Besucher im Ashram kommen aus aller Welt und unterstützen – je nach Aufenthaltsdauer – durch Spenden oder Mithilfe die Arbeit des Ashram.

Trivandrum, das eigentlich Thiruvananthapuram heißt, ist zwar Keralas Hauptstadt, erscheint aber deutlich weniger touristisch als Kochi. Neben Museen, Palästen und Parks findet der Ayurveda Liebhaber hier das Ayurveda College, vor dem eine Steinskulptur von Dhanvantari steht. Direkt daneben bietet der unscheinbare, winzige Prabhus Bookstore dem Bücherliebhaber alles was das Herz begehrt. Unter dem Motto „You name it, we have it“ kann man dem netten Personal in dem engen kleinen Laden jeden Wunsch nach ayurvedischen Urschriften oder Themengebieten nennen und wird prompt mit einem Stapel Büchern bedient. Das Angebot ist verlockend und für unsere Verhältnisse preisgünstig und wird daher nur von der 20 kg Freigepäckgrenze eingeschränkt.


Literatur/Reiseführer: „Reise Know How Kerala” erschienen im Verlag Peter Rump
„Zeit für Kerala“ erschienen bei Bucher