14.12.2016

Trauma & Traumatherapie

Das Traumaereignis, die Traumafolgen und die Traumaerfahrung stellen drei maßgebliche Aspekte der Traumatisierung dar, die sich gegenseitig ergänzen. Der therapeutische Prozess besteht hauptsächlich aus drei therapeutischen Phasen.

Roswitha

Das Leben von Roswitha nahm vor drei Jahren eine dramatische Wendung. An einem sonnigen Tag im Juli verlor die 56jährige Hausfrau und Mutter dreierKinder ihren Mann. Einen Piloten, der seinen Beruf über alles liebte und mit seiner Maschine in den Vereinigten Staaten tödlich verunglückte. Nüchtern wurde ihr die Nachricht seines Todesübermittelt. Ebenso nüchtern nahm sie die Neuigkeiten auf, informierte ihre Kinder sehr nüchtern über das Ereignis und organisierte schnell undausgesprochen professionell die Trauerfeierlichkeiten. Die Männer in ihrem Umfeld bewunderten sie für ihre „mannhafte“ Haltung und bestätigten ihr, dass der Verstorbene sicher stolz auf sie sei. Erst ein paar Wochen später, nachdem das Leben zu den alltäglichen Routinen zurückzukehren schien, schlichen sich die ersten Albträume in Roswithas Schlaf. Immer wieder tauchte dieselbe Szene vor ihrem geistigen Auge auf: die nüchterne Übermittlung der Nachricht vom Todes ihres Mannes. Immer wieder, immer wieder, immer wieder, wie in einer Endlosschleife, bis zu dem Moment, an dem sie schweißnass, zitternd, schreiend, mit klopfenden Herzen erwachte. Sie beruhigte sich selbst und hoffte, in der folgenden Nacht erholsameren Schlaf zu finden. Doch der Traum kam wieder – beinahe jede Nacht. Etwa zur selben Zeitverlor Roswitha (eine bisher fröhliche und gesellige Frau) ihr Interesse, an Unternehmungen mit ihren Freunden und Bekannten teilzunehmen. Alles erinnere sie an ihren verstorbenen Mann, das mache sie traurig – sie verderbe den anderen nur die Stimmung. Sie zog sich immer mehr zurück, denn auch ihr Interessenverlust nahm nicht ab, sondern weitete sich aus und wurde stärker. Zu dem schlichen sich Ängste vor alltäglichen Situationen und das Gefühl, es werde nie mehr besser werden, ein. Es dauerte über ein Jahr, bis Roswitha sich von ihrer ältesten Tochter zu einem befreundeten Arztbringen ließ, der ihr riet, einen Traumatherapeuten aufzusuchen.


Walter

Wenn Walter ins Grübeln kommt, ziehen seine Gedanken und Fragen ihn in einen tiefen Strudel auf dessen Grund er immer dieselbe Aussagefindet: „Ich habe am Steuer gesessen“. Diese einfache und unerträgliche Wahrheit löst immer wieder dieselben Gedanken und Fragen aus: „Was wäre passiert, wenn wir das Taxi genommen hätten?“ „Würde meine Frau noch leben, wenn sie am Steuer gesessen hätte?“ „Hätte ich den LKW-Fahrer eher gesehen, wenn die Kleine auf dem Rücksitz drei Sekunden später wachgeworden wäre und ich mich nicht zu ihr umgedreht hätte?“ „Hätte ich meine Familie behalten, wenn ich nicht so furchtbar übermüdet gewesen wäre?“ „Wie soll ich mit dieser Schuld leben?“ Und all diese Gedanken und Fragen ziehen ihn in den tiefen Strudel, auf dessen Grund er immer dieselbe Aussage findet: „Ich habe am Steuer gesessen“. Walter weiß nicht, wie er mit dem Strudel umgehen soll. Dass ihm jemand zuhören würde oder gar helfen könnte, kann er sich nicht vorstellen – er hat Schuld auf sich geladen, die er tragen muss: der Preis für sein Überleben.


Anja

Anja hat ein Geheimnis von dem keiner wissen darf. Nur Murkel weiß, dass sie manchmal große Angst hat und sehr traurig ist. Dann ist Murkel ein toller Freund. Wenn es Anja sehr schlecht geht und sie die Welt nicht mehr versteht, weil sie nicht weiß, was gut und was böse ist und wem sie vertrauen kann, dann kann Murkel fliegen – auch wenn er nur ein kleiner weißer (fast schon grauer)Stoffhase ist. Er wird groß und sie kann sicher und bequem auf seinem Rücken platznehmen. Er bringt sie weg aus ihrem Kinderzimmer in ein Land in dem ihr nichts passieren kann und in dem alles so ist, wie es sein soll. Die Guten sind gut und die Bösen kommen nur im Märchen vor.

Vergleicht man die Geschichten von Roswitha, Walter und Anja, so haben sie auf den ersten Blick nur wenige Gemeinsamkeiten. Welcher Zusammenhanglässt sich herstellen zwischen einer Pilotenwitwe, einem Mann, der von seinen Schuldgefühlen verschlungen wird und einem Mädchen, das sich auf den Rücken eines Stoffhasen träumt? Sie alle haben etwas erlebt, was ihr Leben in den Grundmauern erschüttert hat und sie zu einer allumfassenden Anpassungsleistung zwingt. Umgangssprachlich sprechen wir von bei diesem „etwas“ von einer „Belastung“, einem „belastenden Lebensereignis“, einer „Krise“ oder von einem „Trauma“. Vom therapeutischen Blickwinkel aus gesehen, ist es notwendig, diese Begriffe eindeutig voneinander zu unterscheiden, um jedem einzelnen Menschen die Unterstützung und Begleitung anbieten zu können, die er in seiner besonderen Situation und Lebensgeschichte benötigt. Daher soll zuerst die Frage gestellt werden: „Wann sprechen wir von einem Trauma?“


Trauma

Der Begriff „Trauma“ (Plural: „Traumata“)stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde, Verletzung“. Das Traumaereignis, die Traumafolgen und die Traumaerfahrung stellen drei maßgebliche Aspekte der Traumatisierung dar, die sich gegenseitig ergänzen (vgl. Ermann, 2007). Um sich dem Thema zu nähern, ist es sinnvoll, diese drei Bereiche zunächst getrennt voneinander zu betrachten.


Traumaereignis

Der Begriff „Traumaereignis“ bezeichnet die traumatisierende Situation selbst, die auf jeden Fallvorhanden sein muss, damit das Trauma erlebt werden kann und entsprechende psychische Folgenentstehen können. Es kann sich sowohl um eine Naturkatastrophe, als auch um häusliche Gewalthandeln. Um die unzählig vielen Möglichkeiten etwas eingrenzen und handhabbarer zu machen, unterscheidet man in Psychotraumatologie zwischen:

Typ I-Ereignissen, die kurzfristig und unerwartet eintreffen. Zum Beispiel handelt es sich um Naturereignisse (Tsunami, Erdbeben…), Unfälle(im Verkehr, am Arbeitsplatz…), vorsätzliche Übergriffe (Raubüberfall, Entführung…), plötzlicher Tod von Nahestehenden (Verlust der Eltern durch Krankheit oder Unfall…)

Typ II-Ereignissen, die anhaltend und wiederholtauftreten. An dieser Stelle spricht man von beabsichtigter Gewalt, die in verschiedenen Umfeldern gezielt eingesetzt wird (Folter, Misshandlungen…).

Weiterhin kann man das Ereignis in frühe (Kindes-und Jugendalter) und späte (nach Abschluss der maßgeblichen Persönlichkeitsentwicklung) Traumatisierung unterteilen. Direkte Traumatisierungen betreffen das Opfer selbst, indirekte Traumatisierungen betreffen Zeugen und Helfer. Auch unterscheidet man familiäre und außerfamiliäre Traumatisierungen. Absichtliche Traumatisierungen(z.B. Raub, Vergewaltigung) trennt man von zufälligen (z.B. schwerer Autounfall) Traumatisierungen. Kollektive Traumatisierungen können sozialer Natur sein (z.B. 11.09.2001) aber auch durch Umweltbedingungen auftreten (Tsunami).Sie werden von individuellen Traumatisierungen abgegrenzt.


Traumafolgen

Betrachtet man die psychischen Folgen, die ein Trauma nach sich ziehen kann, so wie dies in den gängigen psychiatrischen Klassifikationssystemen (ICD-10) erfolgt, findet man verschiedenen Erscheinungs- und Störungsbilder, die sich bezüglich Zeitraum und Ausmaß der Symptomatik unterscheiden. Um einen kurzen Überblick zu verschaffen, werden die akute Belastungsreaktion, die Posttraumatische Belastungsstörung und die andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung an dieser Stelle kurz nach Dilling,

Mombour und Schmidt (2008) skizziert. Man spricht von einer „akuten Belastungsreaktion“, wenn man die „Schock-Reaktion“ auf ein traumatisierendes Ereignis beschreibt. Es handelt sich um eine vorübergehende Störung, die sich bei Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt.

Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von „Betäubung“, mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein sozialer Rückzug folgen. Zudem kann er von starker vegetativer Symptomatik begleitet werden. ie Erholungsphase kann bis zu vier Wochen dauern. In der Regel kommt es aber nicht zu Komplikationen oder Folgeerscheinungen. Die Häufigkeit der Störung lässt sich nur schwer abschätzen. Man geht davon aus, dass 5 % der Bevölkerung in Laufe ihres Lebens eine akute Belastungsreaktion erleiden. In therapeutische Behandlung begeben sich die Betroffenen selten, da die Symptome sehr schnell wieder abklingen. Wenn sie sich behandeln lassen, dann aufgrund von Schlafstörungen. Die „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS) hingegen entsteht als eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis. Charakteristisch für diese Störung sind drei Symptome, die bei ca.20 % der Menschen auftreten, die eine traumatisierende Situation erlebt haben:

> Das Wiedererleben des traumatischen Inhalts(Intrusion)

> Die Vermeidung (Avoidance)

> Die Übererregung und Überaktivität (Hyperarousal)

Das seit 1980 in das amerikanische Klassifikationssystempsychiatrischen Störungen (DSM-IV) aufgenommene Störungsbild kann sich durch viele wechselhafte Symptome zeigen, die innerhalbvon 6 Monaten nach dem Belastungsereignis oder nach Ende einer Belastungsperiode auftreten. Während einige Menschen über Ein- und Durchschlafstörungen klagen, beschreiben andere Konzentrationsschwächen, eine erhöhte Reizbarkeit, einen Verlust an Interessen oder das Gefühl, Ihre Zukunft habe keinen Sinn mehr. Die Verläufe der PTBS sind hetreogen, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und kann dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung übergehen. In der psychiatrischen Klassifikation wird in diesen Fällen von einer ,,andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung“ gesprochen. Es handelt sich um eine andauernde, wenigstens über zwei Jahre bestehende Persönlichkeitsänderung, die einer Belastung katastrophalen Ausmaßes folgt. Die Störung ist durch eine feindliche oder misstrauische Haltung gegenüberder Welt, durch sozialen Rückzug, Gefühle der Leere oder Hoffnungslosigkeit, ein chronisches Gefühl der Anspannung und ständig gefühlter Bedrohung und Entfremdung, gekennzeichnet.


Traumaerleben

Wenn wir davon ausgehen, dass 20 % der Menschen, die eine traumatische Situation erlebt haben, unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden, so ist überaus bemerkenswert, dass 80 % der Menschen ein Traumaereignis ohne psychische Störung verarbeiten können. Um diesen Aspekt näher zu beleuchten, lohnt es sich, der Anregung Michaela Hubers (2009) zu folgen und die realen Begebenheiten hinsichtlich der inneren Verarbeitung der Betroffenen zu betrachten. Man entfernt sich von Traumaereignissen wie Krieg, Vergewaltigung oder Verkehrsunfall und kommt anbei Assoziationen wie „Ein Trauma ist lebensgefährlich: etwas, das man eigentlich nicht verkraften kann; ein Ereignis, außerhalb dessen, was der Mensch sonst kennt, verbunden mit der Überzeugung, dass man es nie verwindet; so schlimm, dass man nachher denkt, das könne nicht passiert sein; mit enormen seelischen und/oder körperlichen Schmerzen verbunden; etwas, das von unserem Gehirn aufgesplittert oder ganz verdrängt wird“ (Huber, 2009).


Als Trauma erlebt wird demnach (wenn man es stark vereinfacht und bildlich darstellen möchte) ein tatsächlich stattfindendes, extrem stressreiches, äußeres Ereignis, das den Menschen mit überfordernden Eindrücken „überflutet“ und dadurch eine spezielle Dynamik im Gehirn auslöst. Der Mensch erlebt ein Gefühl der absoluten „Ausweg-“„Macht-“ und „Hilflosigkeit“ und das Gehirn erkennt in Bruchteilen von Sekunden, dass normale Stressreaktionen wie Flucht (flight) oder Verteidigung (fight) in dieser Extremsituation nichthilfreich sind.

Dem Gehirn (und damit der ganzen Person) bleibt nur die Möglichkeit, sich innerlichvon dem aggressiven Reiz, der äußerlich nichtabgewehrt werden kann, zu distanzieren (freeze).Mit Unterstützung einer großen Menge von Endorphinen, entfernt sich der Mensch geistig aus der überwältigenden Situation und zersplittert (fragment) das Erlebte in kleinste Gedankensplitter. Als sei ein Spiegel zerbrochen, bleibt erkennbar, dass etwas geschehen sein muss, was jedoch es war, kann anhand der Scherben nicht mehr nachvollzogen werden (vgl. Huber, 2009).

Zwei Dinge werden an dieser Stelle sichtbar. Zum einen, das Menschen, die derartigen Extrembelastungen ausgesetzt waren und eine so kraftvolle Überlebensstrategie zur ersten Verarbeitung der Situation wählen mussten, eine besondere Form der psychotherapeutischen Begleitung und Betreuung benötigen. Zum anderen sind die Kraft, die Stärke und der Überlebenswille, die hinter diesem Verarbeitungsmechanismus stecken müssen, als überaus wertvolle Ressource anzuerkennen.


Traumatherapie

Die Psychotraumatologie ist ein junges Fachgebiet, obwohl schon aus der Antike Beschreibungen von Traumata und Traumafolgen überliefert sind. In Deutschland begannen Anfang der 1990er Jahre Michaela Huber und Luise Reddemann, sich intensiv mit der Psychotraumatologie auseinander zu setzen. Beide zählen heute zu den Hauptvertreterinnender Trauma-Arbeit in Deutschland. Weitere wichtige Namen der Traumaforschung und –therapie in Deutschland sind beispielsweise Willi Butollo und Gottfried Fischer.

Luise Reddemann (2008), die die psychodynamisch-imaginative Traumatherapie (PITT) entwickelte, betont in ihren Arbeiten, wie wichtig der ressourcenorientierte Blick in der Traumatherapie für die Behandlung der Patienten ist. Grundlage der PITT, die hier exemplarisch für ressourcenorientierte traumatherapeutische Verfahren vorgestellt wird, ist die psychoanalytisch Theorie mit ihren Konzepten des Unbewussten, der Übertragung und der Gegenübertragung. Darüber hinaus integrierte Frau Reddemann, die selber u.a. Neurologin, Psychoanalytikerin und Fachärztin für psychotherapeutische Medizin ist, in ihre Theorie jedoch auch Erkenntnisse der buddhistischen Meditation und das, was die Patientenspontan als Unterstützung, Trost und Hilfe selbst entwickelten. Mit dieser Anerkennung, Wertschätzung und Unterstützung der Selbstheilungskräfte der Patienten, stabilisierte und stärkte sie die betroffenen Menschen. Auch wenn ihr Vorgehen in Fachkreisen zunächst an vielen Stellen auf Unverständnis stieß.

Die kreativen Ideen und Phantasien traumatisierter Menschen, z.B. das Schaffen innerer undäußerer schützender Räume oder die Imagination hilfreicher Begleiter wie Elfen, Schutzengel oderschützende Tiere nicht als Spinnerei und Unsinn abzutun, sondern als kreative Leistung anzuerkennen und im therapeutischen Prozess zu nutzen, war für viele Therapeuten ebenso befremdlich, wie die Vorstellung, dass ein traumatisierter Mensch den Schlüssel zu Heilung in sich trägt und bei der Entwicklung seiner eigenen Kräfte „nur“ unterstützt und bestärkt werden muss.

Heute hat sich in der therapeutischen Praxis das von Frau Reddemann beschriebene Vorgehen etabliert. Der therapeutische Prozess besteht hauptsächlich aus drei therapeutischen Phasen: Auf die erste Phase der Stabilisierung folgt die Phase der Traumabegegnung, zum Abschluss findet die Integration des Traumas statt. Anders als man es sich vielleicht vorstellt, steht in der Traumatherapie zunächst nicht die Bearbeitung des traumatischen Ereignisses im Vordergrund. Vielmehr ist es wie Arne Hofmann beschreibt und Luise Reddemann zitiert: “Traumatherapie hat sechs Phasen: Stabilisierung, Stabilisierung, Stabilisierung, Traumakonfrontation sowie Trauern und Neubeginn.“


Die Stabilisierungsphase nimmt also nicht nur zeitlich den größten Anteil der Therapie in Anspruch, sondern greift auch auf die ganze Therapie über. Vieles aus der Stabilisierungsphase ist für die ganze Therapie wichtig und kann während der anderen Phasen Verwendung finden. Erst wenn die Stabilisierung des betroffenen Menschendurch unterschiedliche Übungen, Imaginationen und Techniken erreicht ist, kommt es zur Begegnung mit der traumatischen Situation. Auf diese Konfrontation werden die Patienten im Laufe der Stabilisierungsphase sorgfältig vorbereitet. Neben der Entwicklung und Imagination hilfreicher Begleiter und der Kenntnisse effektiver Methoden, sich selbst zu trösten und zu schützen, haben die Patienten bis zum Moment der Konfrontation Techniken zum Umgang mit der Situation selbst erlernt. Durch diese behutsame Annäherung an das traumatische Geschehen und den dadurch ermöglichten selbst bestimmten und kompetenten Umgang mit den verletzenden Erinnerungen, kann es den Patienten gelingen, die zersplitterten Anteile wieder zu integrieren und als zu sich gehörig zu erleben. Die dazugehörige Trauer kann dadurch anerkannt werden, ein Neubeginn wird ermöglicht.

Es ist Roswitha, Walter und Anja zu wünschen, dass sie nicht nur das Erleben einer überwältigenden Situation verbindet, sondern, dass sie in naher Zukunft auch die Erfahrung teilen können, von einem kompetenten Traumatherapeuten als selbstwirksame, kreative Alltagshelden wahrgenommen zu werden. Dass sie sich zu Menschenentwickeln, denen es gelungen ist, durch einen respektvollen Umgang mit ihnen und ihrer besonderen Lebenssituation, ein traumatisierendes Ereignis kompetent und erfolgreich zu verarbeiten und zu integrieren.


Literatur:

> Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M. H. (2008): InternationaleKlassifikation psychischer Störungen ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien. 6. Auflage. Bern: Hans Huber

> Ermann, M. (2007): Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Ein Lehrbuch auf psychoanalytischer Grundlage. 5. Auflage. Stuttgart: Kohlhammer

> Huber, M. (2009): Trauma und die Folgen. Paderborn: Jungfermann Verlag

> Lasogga, F. & Gasch, B. (Hrsg.) (2008): Notfallpsychologie.Heidelberg: Springer

> Reddemann, L. (2008): Imagination als heilsame Kraft. Stuttgart:Klett-Cotta

> Riecher-Roessler, A., Berger, P. Yilmaz, A., Stieglitz R.D.(2004):Psychiatrisch-psychotherapeutische Krisenintervention Göttingen: Hogrefe

> Rupprecht, R. & Hampel, H. (Hrsg.) (2006):Roter FadenPsychiatrie und Psychotherapie. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

> Simmich, T.; Reimer C., Alberti, L, Bronisch T., Erbe, C.,Milch, W. Plaß, A. (1999): Empfehlungen zur Behandlungspraxisbei psycho-therapeutischen Kriseninterventionen. Psychotherapeut 44: 394-398