19. Mai 2020

Impfpflicht bei Kindern – übergriffig oder zwingende Notwendigkeit?

Impfpflicht für Kinder: Sinnvoll oder nicht?

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie das Impfen. Eltern hatten bisher die freie Entscheidung, ob und gegen was sie ihre Kinder impfen lassen wollen. Das ändert sich nun teilweise. Ab dem 01. Juli 2021 gibt es eine Impfpflicht für Masern bei Kindern und Mitarbeitern von Gemeinschaftseinrichtungen.

Nun stellt sich nicht die Frage, ob eine Impfung sinnvoll ist oder nicht. Muss es wirklich eine Impfpflicht bei Kindern geben oder handelt es sich um einen Eingriff des Staates in die Entscheidungsgewalt der Eltern?

Impfungen – nur ein kleiner Pieks, oder?

Für die einen ist eine Impfung lediglich die Möglichkeit der Immunisierung gegen Krankheiten, die für ein Kleinkind lebensgefährlich sein können. Für andere ist hingegen die Tatsache entscheidend, dass wir unserem Nachwuchs einen Krankheitserreger verabreichen lassen – was durchaus zu Nebenwirkungen führen kann. Die 2021 geplante Impfpflicht für Kinder befeuert das heiß diskutierte Thema zwischen Impfbefürwortern und -gegnern erneut.
Doch was ist eine Impfung genau und sind die Nebenwirkungen wirklich so schlimm?

Impfpflicht für Kinder - heiß diskutiertes Thema

Impfpflicht für Kinder – heiß diskutiertes Thema

Der Impfstoff – ein Überblick

Es gibt zwei Arten von Impfungen: Totimpfstoffe enthalten Krankheitserreger, die im Vorfeld abgetötet wurden. Es treten kaum bis gar keine Nebenwirkungen auf, weil diese Impfung sehr verträglich ist. Verabreicht bekommen wir sie beispielsweise, um uns gegen die folgenden Krankheiten zu immunisieren:

  • Kinderlähmung
  • Keuchhusten
  • Tetanus

Die zweite Variante ist ein Lebendimpfstoff. Dieser beinhaltet eine kleine Menge noch lebender Erreger. Hier kann es zu leichten Infektionen kommen. Diese sind jedoch nicht ansteckend für andere Menschen. Verwendet wird er bei:

  • Masern
  • Windpocken
  • Mumps

In Deutschland gab es bisher keine Impfpflicht für Kinder, lediglich Empfehlungen des Robert Koch Instituts und das Infektionsschutzgesetz, welches den Schutz der Bevölkerung als Ziel hat.

Impfpflicht bei Kindern in Deutschland gegen Masern

Wenn Sie nach 1970 geboren1 wurden und in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut werden, dann sind Sie dazu verpflichtet, sich gegen Masern impfen zu lassen. Das müssen Sie in Ihrem Impfpass nachweisen. Das bedeutet, dass die Impfpflicht nicht nur für Kinder gilt, sondern ebenfalls, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen in einer Einrichtung betreut werden oder beispielsweise in einem Kindergarten arbeiten.

Impfungen per Impfpass nachweisen

Impfungen per Impfpass nachweisen 8

Neben Masern gibt es eine lange Liste an Kinderkrankheiten, gegen die wir uns durch Impfungen in jungen Jahren schützen sollen.

Zielgruppe
Empfohlene Schutzimpfung
Säuglinge, Kinder und Jugendliche
    • Hepatitis B
    • Diphtherie
    • Tetanus
    • Rotaviren
    • Poliomyelitis
    • Haemophilus influenzae Typ b
    • Keuchhusten
    • Masern
    • Mumps
    • Röteln
    • Windpocken
    • Pneumokokken
    • Meningokokken2
Kinder zwischen 9 und 14 Jahren
    • HPV3

Wie Sie sehen, zählen auch die Masern zu den Schutzimpfungen, die zwingend empfohlen werden und bald verpflichtend sind. Die Krankheit galt lange als bereits ausgerottet – mittlerweile ist sie wieder da und immer mehr Menschen erkranken an ihr. Dabei sieht sie eigentlich recht harmlos aus. Die Symptome sind anfangs ähnlich wie die einer Erkältung. Also kein Grund zur Panik, oder?

Impfpflicht für Kinder: Pro und Contra

An diesem Punkt gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Das zeigt auch eine Studie der EU-Kommission vom April 2019. 46 der Teilnehmer*innen sind demnach überzeugt, dass Impfstoffe schwere Nebenwirkungen verursachen können. 59 Prozent waren hingegen der Meinung, dass Impfungen sehr wichtig sind4. Verwunderlich sind die Ergebnisse nicht. Es gab schließlich schon immer Befürworter und Gegner zu dieser Thematik. Hier finden Sie die wichtigsten Argumente für und gegen eine Impfpflicht.

Welche Punkte sprechen für eine flächendeckende Impfpflicht

  • Impfungen rotten Krankheiten aus:
    Sie dienen dem Schutz der Bevölkerung und helfen dabei, den Ausbruch lebensgefährliche Krankheiten zu minimieren.
    Die Gefahr von Nebenwirkungen liegt bei Masern beispielsweise bei 1: 1.000.000.
  • Ungeimpfte Menschen erhöhen die Gefahr einer Ansteckung:
    Ohne Impflicht für Kinder können diese andere Menschen anstecken und somit zu einem Ausbruch der Krankheit führen. Besonders der Faktor der sozialen Verantwortung ist hier zu erwähnen5. Wenn Impfungen im Kindergarten Pflicht werden, verringert sich das Risiko, dass beispielsweise deren kleine Geschwister (Säuglinge können noch nicht geimpft werden) oder ihre Großeltern, die vielleicht an einer Immunschwäche leiden, angesteckt werden.
  • Ein Eingriff des Staates ist notwendig:
    Dadurch, dass sich viele Menschen nicht impfen lassen, verringert sich die Möglichkeit einer Herdenimmunität. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass es eine für alle verpflichtende Regelung gibt, an die sich die Bevölkerung halten muss – zum Schutz aller. Eine Impfpflicht für Kinder erscheint da nur die logische Konsequenz.

Welche Punkte sprechen gegen eine Impfpflicht für Kinder

Was spricht gegen eine Impfpflicht?

Was spricht gegen eine Impfpflicht?

    • Nebenwirkungen:
      Viele Eltern sind besorgt wegen der Impfreaktionen. Obwohl diese oft harmlos sind, kann es durchaus zu Impfkomplikationen oder sogar schweren Impfschäden kommen wie Auto-Immunerkrankungen oder anaphylaktischen Reaktionen6. Eltern befürchten, dass gerade ihr Sprössling Schäden davontragen könnte, wenn die Impfungen für Kindergärten zur Pflicht werden.
    • Dunkelziffer:
      Eine weitere Angst besteht darin, dass die Dunkelziffer der Impfschäden höher ausfällt als angenommen. Es gibt aber in Deutschland eine Meldepflicht, wenn Nebenwirkungen oder schwere Reaktionen auftreten.
    • Individuelle Freiheit & Unversehrtheit des Körpers:
      Der Staat begeht einen Eingriff in das Leben und die Gesundheit der Menschen. Obwohl es natürlich um das Interesse der Gesellschaft geht, ist und bleibt die Impfpflicht für Kinder ein Eingriff in die Erziehung der Eltern. Schließlich steht auch im Grundgesetz, dass die Freiheit einer Person und somit auch ihre körperliche Unversehrtheit unverletzlich ist.7

    Können Sie die Impfpflicht im Kindergarten umgehen?

    Eine Impfung können Sie nur umgehen, wenn medizinische Gründe vorliegen, beispielsweise bei einer Unverträglichkeit. Ist das nicht der Fall, müssen Sie Ihr Kind gegen Masern impfen lassen. Denn ungeimpfte Kinder können in Kitas abgelehnt werden. Leider dürfen Sie auch nicht mit der Kulanz einer Kitaleitung rechnen. Denn lässt diese zu, dass Kinder die Einrichtung ohne Impfung besucht, wird ein Bußgeld fällig. Geht Ihr Kind zur Schule, wird es aufgrund der Schulpflicht zwar nicht ausgeschlossen, Sie als Eltern erhalten jedoch eine Strafe in Form eines Bußgeldes, das bis zu 2.500 Euro beträgt.

    Impfpflicht für Kinder – ja oder nein steht eigentlich nicht zur Debatte

    Bisher gibt es keine Medizin, die bei einem Masernbefall hilft. Auch die alternative Medizin oder die Naturheilkunde können lediglich die Symptome lindern, nicht jedoch wirklich etwas gegen die Krankheit ausrichten. Aus diesem Grund hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, eine Impfpflicht für Kinder und Erwachsene einzuführen. Für Befürworter von Impfungen geht die Regierung damit endlich einen notwendigen Schritt. Impfgegner hingegen fühlen sich in Ihrer Freiheit eingeschränkt. Egal, auf welcher Seite Sie stehen – die Debatte darüber, wie sinnvoll Impfungen wirklich sind, wird auch in Zukunft nicht abreißen.

QUELLE 1: bundesgesundheitsministerium.de/
QUELLE 2: bundesgesundheitsministerium.de/
QUELLE 3: bundesgesundheitsministerium.de/
QUELLE 4: ec.europa.eu/
QUELLE 5: br.de
QUELLE 6: rki.de/
QUELLE 7: welt.de/

BILDNACHWEIS 8: nitpicker / Shutterstock.com

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