23. Februar 2020

Baby in die Krippe: Was ist das richtige Kita-Alter?

Was ist das richtige Kita-Alter

Endlich ist das kleine Mädchen oder der kleine Junge da – die Glücksgefühle sind riesengroß, das Familienglück ist perfekt. Doch schon bald tauchen die ersten Fragen an die Eltern und insbesondere die Mama auf: Und, wann geht es zurück in den Job? Möchtest du überhaupt wieder arbeiten oder bleibst du jetzt erst einmal komplett zu Hause? Machst du dir nicht Sorgen um die Entwicklung deines Kindes? Horrorgeschichten von Kindern, die durch den frühen Kita-Eintritt an psychischen Problemen im späteren Leben oder an Entwicklungsstörungen leiden, machen die Runde. Schon ist der Gewissenskonflikt da. Ist es wirklich sinnvoll, ein Baby schon sehr früh in die Kinderkrippe zu geben? Die Meinungen über das perfekte Alter für die Kita, den Kindergarten oder die Krippe gehen weit auseinander. Die jungen Eltern sind sich unsicher, was das Beste für ihr Kind ist.

Betreuungsangebote für Kleinkinder

Betreuungsangebote für Kleinkinder

Welche Betreuungsangebote oder Modelle gibt es? Und wie stehen die Experten zu diesen Angeboten? Gibt es überhaupt so etwas wie die perfekte ganzheitliche Lösung für ein Kind?

Wir schauen für Sie genauer hin und wägen Für und Wider eines frühen Fremdbetreuungsstarts ab.

Die Ausgangssituation beachten

Zahlreiche Fragen und auch Vorurteile trommeln von allen Seiten auf junge Väter und Mütter zwecks Kinderbetreuung und Berufsplanung ein. Es sei doch optimal, heißt es, wenn Vater oder Mutter über die gesetzliche Elternzeit hinaus die Möglichkeit haben, mit dem Nachwuchs zu Hause zu bleiben. In vielen Fällen gelingt der Spagat zwischen Familie und Job dank den Großeltern oder anderen Verwandten. Die individuelle Ausgangssituation ist jedoch entscheidend. Denn nicht jeder hat die Möglichkeit, so lange mit dem Baby zu Hause zu bleiben wie es vielleicht der Wunsch ist. So sind viele Eltern oft aus finanziellen Gründen auf die Krippe oder Kita angewiesen. Das betrifft vor allem Alleinerziehende aber auch Selbstständige oder Mütter mit befristeten Arbeitsverträgen. Natürlich hat sich die Lage dank Elternzeit und Betreuungsangeboten in den letzten Jahrzehnten zum Positiven verändert. Die Gewissensfrage zum „richtigen“ Kita-Alter bleibt jedoch bestehen. Ganz besonders mit Hinblick auf die positive Entwicklung des Kindes. Schließlich möchten Eltern immer nur das Beste für Ihre Sprösslinge und ihnen den optimalen Start in ihr Leben bieten.

Spagat zwischen Familie und Job

Spagat zwischen Familie und Job

Experten-Meinungen aus der Entwicklungspsychologie

Experten aus der Entwicklungspsychologie sind sich einig, die ersten 18 Monate sind entscheidend für die Entwicklung unserer Kleinen. In dieser Zeit wird die wichtige emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind aufgebaut und gefestigt. Kuscheln, Toben, gemeinsam Spaß haben – Zuwendung ist das wichtigste in dieser Phase.* Das klassische Erziehungskonzept, das wir noch von unseren Eltern kennen, besagt ganz klar: So lange es geht, sollten Eltern ihre Kinder zu Hause umsorgen. Doch dieses Modell ist für viele heute nicht mit dem täglichen Leben zu vereinbaren und an vielen Punkten pädagogisch überholt. Gut, dass sich auch in der Betreuung – Stichwort Kindertagesstätten, Kinderkrippen für Babys oder unabhängige Tagesmütter – einiges verändert hat. So stehen heute weitaus mehr Möglichkeiten zur Verfügung, die Kleinen verlässlich, kompetent und liebevoll extern zu versorgen. Auch die entwicklungsfördernden Angebote und die grundlegende Ausbildung zur ErzieherIn haben sich stark in die Richtung frühkindlicher Förderung verändert. So verfügen ErzieherInnen heute zum großen Teil über eine ganzheitliche pädagogische Ausbildung.

Diese positiven Entwicklungen sind nachweisbar: Eine Studie mit 4000 Kindern im Vorschulalter, die 2016 durchgeführt wurde, stellte diese fest. Veit Roessner, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Dresden, und sein Team brachten einiges zu Tage: Kleinkinder, die schon in den ersten zwei Lebensjahren extern betreut werden, leiden später deutlich seltener an den typischen psychischen Erkrankungen bei Kindern. Dagegen sind Kinder, die erst mit drei oder vier Jahren in den Kindergarten gehen, doppelt so häufig betroffen. Interessant ist auch, dass die Familiensituation dabei nicht entscheidend ist genauso wenig wie die soziale Schicht.
Eine weitere Studie, die von der Bertelsmann Stiftung im selben Jahr durchgeführt wurde, belegt: Kinder, die bereits als Kleinkind oder Baby in die Krippe oder Kita gekommen sind, profitieren später in der Schule. Wichtige Erkenntnisse aus dieser Untersuchung sind:**

  • Weiter entwickelte Sprachkompetenz
  • Klarere Köperkoordination und Hand-Auge-Koordination
  • Weniger Probleme beim Zählen
  • Selten übergewichtige Kinder

Europaweite Veränderungen deutlich sichtbar

Nicht nur bei uns in Deutschland untersuchen Studien das Für und Wider von einem frühen Eintrittsalter von Babys und Kleinkindern in Krippe oder Kita. So untersuchte beispielsweise die Erziehungswissenschaftlerin Heather Joshi der University of London rund 40.000 Lebensläufe von Kindern in Großbritannien. Ihre Erkenntnis ist die, dass die Entwicklungen seit den 1990er Jahren deutlich positiver sind. In den Jahrzehnten zuvor ließ sich ein klarer Lernunterschied bei Babys, die schon früh in die Kita oder Krippe gekommen sind, gegenüber daheimgebliebenen Kindern feststellen. Diese Kleinen hatten oft einen deutlichen Rückstand besonders beim Spracherwerb sowie in Mathe. Heute ist das nicht mehr so, was gleichzeitig auch für die Kinderbetreuung von Elternteilen zu Hause spricht.
In den letzten 40 Jahren habe sich die Entwicklung eher umgekehrt: Je mehr Kinder bereits im Alter von einem Jahr in die Kita kamen, desto weniger Lernschwächen ließen sich im Nachhinein verzeichnen. Die Forscher begründen diesen Trend damit, dass nicht nur die gesellschaftlichen Grundbedingungen sich geändert haben. Die heutige Welt sei deutlich familienfreundlicher und flexibler geworden. Zum anderen habe sich das Lern-Angebot in der externen Betreuung grundlegend gewandelt.

Das Lern-Angebot hat sich grundlegend gewandelt

Das Lern-Angebot hat sich grundlegend gewandelt

Pro oder Contra: Wie sinnvoll ist ein früher Krippen-Start von Babys und Kleinkindern?

Heute starten etwa ein Drittel aller Kindern in Deutschland früh in die externe Betreuung. Das durchschnittliche Kita-Alter beträgt in dieser Gruppe unter drei Jahren. Trotz der positiven Prognosen aus der Wissenschaft gibt es dennoch viele unterschiedliche Meinungen. Was spricht für einen frühen Betreuungsstart in der Krippe im Baby-Alter, was dagegen?

Pro

Die Gründe, die für junge Krippenkinder sprechen, sind vielfältig:

  • Soziale Kontakte zum Spielen, Toben und Regeln erlernen
  • Förderung des Selbstbewusstseins der Kleinen
  • Zuschauen und beobachten von Älteren fördert die Entwicklung
  • Aktive Erlebnisse statt Nebenher-Laufen im Alltag der Eltern

Besonders der letzte Punkt spricht für ein frühes Kita-Eintrittsalter. Oftmals können Eltern zu Hause schlichtweg nicht so vielfältige Angebote für Ihre Kinder ermöglichen. Der begrenzende Faktor ist meistens die Zeit.*** Viele Kindertagesstätten bieten heute Personal, das beispielsweise eine KEB-Ausbildung absolviert hat, die gezielt Kinder in der Entwicklung fördert. Sie vermittelt verschiedene Strategien, um die Selbsthilfekräfte des Kindes zu aktivieren. Dabei befasst sie sich mit den Themen Emotionen, Bewusstsein und Elternbegleitung. Doch nicht nur für ErzieherInnen ist diese Ausbildung geeignet. Wer sein Kind zu Hause betreuen und fördern möchte, der profitiert ebenfalls von den Inhalten dieser ganzheitlichen Weiterbildung.

Contra

Die Argumente für einen frühen Kita-Start sind in der Theorie durchschlagskräftig. Allerdings gibt es im Betreuungssystem in der Praxis bei Weitem nicht immer optimale Bedingungen für die Kleinen. Daher sind die Ängste von Eltern in vielen Fällen nicht vollkommen unbegründet. Es gibt genauso viele Gegenargumente für eine Betreuung von Babys und Kleinkindern ab 6 Monaten in der Krippe:

  • Bezugs- und Betreuungspersonen wechseln zu häufig, da viele ErzieherInnen heute nur befristet beschäftigt sind. Dieser Wechsel der Bezugsperson kann tiefe Wunden im Kind hinterlassen.
  • Zu wenig Personal, sodass der Betreuungsschlüssel nicht passt und die optimale Betreuung nicht gewährleistet werden kann.
  • Stress durch die Eingewöhnungsphase in jungen Jahren, besonders wenn sich das Kind in wichtigen Entwicklungsphasen befindet.
  • Zu große Gruppen dadurch Gefahr der Überreizung, wenig Ruhemomente

Besonders Babys und Kleinkinder benötigen viel individuelle Ansprache und Zuneigung, um sich geistig und körperlich optimal zu entwickeln. Das kann in vielen Kindergärten oder Krippen zum Problem werden, wenn die ErzieherInnen beispielsweise zu viele Kinder zu beaufsichtigen haben. Optimal ist es, wenn drei bis vier Kinder auf eine Betreuungsperson kommen. Das ist allerdings bei Weitem nicht immer gewährleistet. Die durchschnittliche Zahl der Kinder pro BetreuerIn liegt derzeit bei 4,6. Das ist nicht optimal.

Ab welchem Alter darf ein Kind eigentlich in die Krippe oder die Kita?

Das Eintrittsalter für den Kindergarten ist in Deutschland indirekt gesetzlich geregelt. So hat jedes Kind ab drei Jahren einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Anspruch auf einen Krippenplatz haben Kinder seit 2013 schon ab dem ersten Lebensjahr. Das heißt aber nicht, dass immer auch ein Platz verfügbar ist. Ausnahmen gibt es vor allem beim Kindergarten: Je nach Entwicklungsstatus und Einrichtung können auch schon Zweijährige dort starten. Zwei Drittel der Kinder in Deutschland kommen auch erst mit vier oder fünf Jahren in die Fremdbetreuung. Das liegt nicht nur an den Ansichten der Eltern, sondern auch an fehlenden Plätzen oder der persönlichen Entwicklung des Kindes. Ein „richtiges“ Alter für den Kindergarten gibt es also nicht.
Frühestens ab drei Monaten dürfen Babys als Frühstarter in die meisten Kinderkrippen – die Entscheidung obliegt aber ebenfalls der jeweiligen Einrichtung. Experten empfehlen, dass ein Kind erst frühestens ab einem Alter von 6 Monaten in die Krippenzeit startet. Das fällt in der Regel mit der Elternzeit zusammen und wird auch am meisten genutzt. Kleinere Babys werden häufig stundenweise von einer Tagesmutter betreut, da diese eine intensive 1:1 Betreuung benötigen. Grundsätzlich obliegt diese Entscheidung aber immer den Eltern und der persönlichen Situation – machen Sie immer nur das, wovon Sie auch überzeugt sind.

Frühzeitig mit der Eingewöhnung beginnen

Frühzeitig mit der Eingewöhnung beginnen

So gelingt ein früher Betreuungsstart

Wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihr Kind oder Baby schon früh in die Krippe oder Kita zu geben, dann sollten Sie unbedingt auf diese Punkte achten:

  • Qualität der Kita: Wie sieht die Gruppen-Größe aus? Ist sie optimal? Welches Konzept hat die Kita?
  • Bezugspersonen: Sind die BetreuerInnen dort konstant beschäftigt? Wie sind die ErzieherInnen generell? Ist eine intensive Betreuung gewährleistet?
  • Frühzeitig mit der Eingewöhnung beginnen: Dabei kann es auch helfen, dass das Kind schon vorher mal von Verwandten oder Freunden betreut wird. So fremdelt es weniger und der Start fällt (auch den Eltern) deutlich leichter.

Ist die perfekte Kita oder Krippe gefunden und dort auch noch ein Platz verfügbar, dann sollten Sie unbedingt auch zu Ihrer Entscheidung stehen. Lassen Sie sich nicht verunsichern von Kommentaren aus dem Familien- und Freundeskreis. Nutzen Sie die Zeit nach der Betreuungszeit am Tag mit Ihren Kleinen und freuen Sie sich daran, was sie gelernt haben. Es ist allerdings bei Weitem auch kein Beinbruch, wenn Sie nach einiger Zeit feststellen, dass Sie Ihr Kind doch lieber wieder zu sich nach Hause holen möchten. Stehen Sie dazu.

Fazit: Kita-Eintrittsalter für sich selbst entscheiden

Fakt ist: Es gibt keine richtige Antwort auf die Frage, in welchem Alter Kinder in den Kindergarten und Babys in die Kita oder Krippe gehen sollten. Die optimale Lösung kann immer nur eine sehr individuelle sein. Entscheiden Sie nicht aus dem Bauch heraus, sondern wägen Sie genau ab. Vielleicht gibt es ja im Bekanntenkreis Erfahrungen, aus denen Sie schöpfen können? Sie selbst als Eltern sollten entscheiden, wann Sie Ihre Kleinen guten Gewissens aus der Hand geben möchten. Oder wann eben nicht. Schließlich kennen Sie ihr Kind am besten. Wichtig ist nur, dass Sie nichts müssen. Der Spagat zwischen Familie und Job sollte für keine Seite ein schmerzhafter sein. Und besonders wichtig ist: Nur Ihre Meinung ist entscheidend, nicht die der anderen!

* QUELLE: Familie.de
** QUELLE: Focus.de
*** QUELLE: Familie.de

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