Angst im Alltag: Auswege aus dem Käfig

Angst ist etwas Urmenschliches. Sie diente unseren Vorfahren in gewisser Weise als Selbstschutz, um sich nicht blindlings in besonders brenzliche, stressige und schlussendlich tödliche Situationen zu bringen. Wir alle sind ihr in unserem Leben bereits öfter begegnet, als Kind zum Beispiel in Form von dem berühmten Monster unter dem Bett, im jugendlichen Alter in Form von Prüfungsangst oder schlicht und ergreifend als Angst davor, etwas Wichtiges zu verlieren. Was genau macht die Angst mit uns und unserem Körper? In welchen Situationen tritt Angst im Alltag auf und ab wann macht sie krank? Welche Auswege gibt es aus diesem Zustand? Wir gehen der Sache auf den Grund.
Was genau ist eigentlich Angst?
Die Angst ist ein ganz natürliches Phänomen. Sie zählt zu den urmenschlichsten Gefühlen neben Freude, Liebe oder Schmerz. Das Gefühl Angst übernimmt folgende Funktionen:
- Sie warnt uns vor Gefahr
- Mahnt zur Vorsicht in bestimmten Situationen
Im Körper werden, wenn wir Angst empfinden, Botenstoffe (Stresshormone) ausgesendet, die uns in Alarmbereitschaft versetzen. Wir sind dann in der Lage, trotz der nicht unerheblichen Belastung kurzfristig deutlich effektiver zu arbeiten. Die Sinne werden geschärft, unsere Belastungsgrenze verschiebt sich nach oben. Ziel ist es, die potentielle Gefahrensituation so gut wie nur möglich zu meistern – dafür können wir kurzfristig Spitzenleistungen erzielen. Angst per se ist also erstmal nichts Schlechtes, allerdings kann sie, wenn sie im Alltag zu oft Besitz von uns ergreift, gefährlich werden. Denn dann belastet sie Körper und Seele zunehmend und das im negativen Sinne.
Wenn die Angst im Alltag überhandnimmt
Besonders dann, wenn die Angst im Alltag regelmäßig auftritt sprechen Psychotherapeut*innen von Angsterkrankungen bis hin zu Angststörungen. Heute zählen Erkrankungen, die in Verbindung mit Angst stehen, mit 10-14 Prozent1 zu den häufigsten psychischen Störungen. Das bedeutet umgelegt auf die Bevölkerung in Deutschland: Beinahe jeder Vierte ist im Laufe seines oder ihres Lebens einmal von einer Angststörung, die behandelt werden muss, betroffen. Zahlen, die im Zuge der gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit und der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie und ihren Schutzmaßnahmen vermutlich noch ansteigen werden.

Angststörungen im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche
Angst im Alltag: Diese Anzeichen sollten Sie nicht ignorieren
Wir alle haben also gelegentlich Angst und das muss erstmal nichts Schlechtes sein. Ungesunde Angst kann sich dagegen in unterschiedlichen Formen manifestieren und sich mit der Zeit hochschaukeln. Dazu gehören beispielsweise:
- Angst vor Krankheiten wie Angst vor Corona
- Angst vor sozialer Einsamkeit
- Angst, Fehler zu machen
- Andauernde Existenzängste sowie permanente Sorgen
- Trennungsangst
- Angst vor sozialer Interaktion
Diese Formen von Angst sind auf den ersten Blick nicht schädlich, wenn diese häufiger auftreten und im Alltag dominant werden, dann ist Vorsicht geboten. Im Alltag zeigen sich vermehrt vorkommende ungesunde Ängste für Außenstehende oft nicht direkt, sondern eher etwas versteckt. Symptome für eine tiefgreifende Angststörung können sein:
- Ängste treten häufig und langanhaltend auf
- Betroffene haben das Gefühl, die Kontrolle über das eigene ich zu verlieren
- Situationen, die für Betroffene ansatzweise bedrohlich wirken, werden grundsätzlich vermieden; eine Angst vor dem Alltag selbst tritt ein
Viele Betroffene beschreiben den Zustand als einen, bei dem sie den ganzen Tag Angst und Unruhe empfinden.
Folgen von dauerhafter Angst im Alltag
Im Extremfall erleiden Personen, die von Angst im Alltag und damit akut von dauerhaftem Stress betroffen sind, regelmäßige Panikattacken und sind langfristig hochgradig gefährdet, eine Depression zu entwickeln. Doch nicht nur psychische Auswirkungen hat anhaltende Angst im Alltag. Auch unser Körper leidet langfristig unter Gesundheitsstörungen und Krankheiten wie:
- Körperliche Unruhe
- Schlaflosigkeit
- Herzinfarkten
- Schlaganfällen
Daher ist es unbedingt notwendig, Familienmitgliedern oder Bekannten, die möglicherweise unter einer solchen Angst im Alltag leiden, aktiv Hilfe und Unterstützung anzubieten.

Angst im Alltag – dauerhafter Stress – Panikattacken
Sich (mit Hilfe) der Angst im Alltag stellen
Um viele Ängste zu überwinden, können Sie sich bereits selbst helfen und sich der Angst gegenüberstellen. Diese Tipps können dabei unterstützen:
- Machen Sie sich bewusst, woher die Angst im Alltag ihren Ursprung haben könnte. Spielen Sie vor allem realistische Situationen und Szenarien durch. Führen Sie sich vor Augen, was maximal passieren könnte, wenn das Ihrer Ansicht nach Schlimmste eintreten sollte.
- Trauen Sie sich, über Ihre Ängste zu sprechen, nehmen sie sie ernst. Lernen Sie, genau wahrzunehmen, was Sie belastet. Erlernen Sie systemische Methoden, die es Ihnen ermöglichen, in Ihrem Kontext, ob beruflich oder privat, selbst Lösungsansätze zu finden.
- Wenn möglich, steigern Sie Ihre körperliche sowie geistige Fitness: Das Stichwort heißt hierbei Resilienz fördern und damit die eigene Belastbarkeit im Alltag steigern. Dann haben Ängste weniger Angriffsfläche.
- Tun Sie sich selbst etwas Gutes: Ein positives Körpergefühl und die Fähigkeit, sich über kleine Dinge im Alltag zu freuen stellt der Angst eine deutlich größere Barriere entgegen, als Sie annehmen. Dabei kann auch eine persönliche Umorientierung beispielsweise eine Ausbildung im systemischen Mentaltraining helfen.
- Möchte Ihnen Ihre Angst etwas sagen? Eine inhaltliche Aufarbeitung der Angst im Alltag geschieht am besten mit Hilfe von Psychotherapeut*innen, der/die eine Ausbildung als Heilpraktiker*in für Psychotherapie durchlaufen hat und Sie professionell begleiten kann.
Angst im Alltag auf keinen Fall unterschätzen
Die Angst im Alltag schadet mehr, als dass sie uns gemäß unserer natürlichen Veranlagung nutzt. Daher ist es wichtig, dass Sie Angsterkrankungen bei sich selbst, Familienmitgliedern, Freund*innen, Kollegen und Kolleginnen u.a. ernst nehmen. Sorgen und Nöte zu verbalisieren, darüber offen zu sprechen, ist der erste Schritt hin zu einem besseren Umgang mit den Ängsten. Sollten Sie aus dem Teufelskreis von Panikattacken und Ängsten allerdings nicht selbst rauskommen und haben regelmäßig damit zu kämpfen, trotz der Unterstützung von Menschen in Ihrem Umfeld, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Ängste können sehr besorgniserregend sein, Ihnen das Leben sehr schwer machen, darum sollten Sie nach Lösungen suchen, die es Ihnen ermöglichen, ohne permanente Angstzustände zu leben.
Quelle1: psychiatrie.de