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6. Oktober 2019

Familientherapie: So funktioniert diese Therapieform

Wie funktioniert die Familientherapie?

Um die Familientherapie und die damit verbundenen Sitzungen ranken sich viele Mythen: Alle sitzen mit dem Psychotherapeuten in einem Raum und müssen nacheinander ihre Probleme der ganzen Runde offenbaren, dabei herrscht peinliche Stille. Oder ein weiterer Klassiker, der in diversen Romantic Comedies im Kino immer wieder aufgegriffen wird: Ein Ehepaar sitzt dem Therapeuten frontal gegenüber und fängt an, sich während des Gespräches immer mehr in die Haare zu bekommen bis die Situation vollkommen eskaliert.

Mit diesen und noch vielen anderen Klischees hat die Familientherapie seit langer Zeit zu kämpfen. Kein Wunder, die Familie, die ja nichts anderes ist als eine Gemeinschaft aus unterschiedlichen Persönlichkeiten und Charakteren, bietet viel Raum für satirische Interpretationen. Dazu kommt der Altersunterschied zwischen Kindern, Eltern oder sogar Großeltern. Es gibt also auch im realen Leben einer Familie ausreichend Konfliktpotential, das regelmäßig dafür sorgt, dass Streit entsteht. Eine gesunde Familie verkraftet das problemlos. Wenn Konflikte aber so tief gehen, dass die Situation komplett verfahren ist und keine Kompromisse oder Lösungen mehr gefunden werden können, dann kann die Familientherapie der letzte Ausweg der Krisenintervention sein.

Veränderte Ausgangsbedingungen für Familien

Heutzutage ist die Familie deutlich komplexer als noch vor 20 Jahren. Das lässt sich nicht nur an dem heute allseits bekannten Modell der Patchwork-Familien ablesen, sondern auch an konkreten Zahlen: Laut Statistischem Bundesamt ließen sich deutschlandweit 2017 rund 76.900 Ehepartner mit Kindern scheiden* – das sind im Vergleich zum Jahr 1960 30 Prozent mehr geschiedene Ehen mit Kindern.** Zurück bleiben Alleinerziehende Mütter und Väter, die sich zunächst mit der neuen Familiensituation arrangieren müssen. Das allgemeine Konfliktpotential hat sich in den letzten Jahrzehnten also deutlich gesteigert.

Kein Wunder, die moderne Gesellschaft verlangt jedem Einzelnen deutlich mehr ab als noch 1960. So zählt heute vor allem das Individuum, das möglichst viel leisten kann, als erfolgreich. Zwar stehen seit einigen Jahren Worte wie Work-Life-Balance im Berufsalltag immer zentraler. Die Belastungen, die mit ins Alltagsleben getragen werden sind aber dennoch nicht zu unterschätzen, wie psychische Erkrankungen und daraus resultierende Fehltage belegen. Immer mehr Familien suchen daher bei Konflikten externe Hilfen. Wie funktioniert die Familientherapie? In welchen Situationen kann externe Hilfe die Lösung sein? Und welche Ergebnisse lassen sich damit erzielen? Diese Fragen klären wir im Folgenden.

2017: rund 76.900 Ehepartner mit Kindern geschieden

2017: rund 76.900 Ehepartner mit Kindern geschieden

Die Familie als System betrachten

Mit dem Begriff „Familientherapie“ werden unterschiedliche Therapieformen zusammengefasst, wie zum Beispiel die Paar- und Familientherapie oder die Eltern-Kind-Therapie. Im Kern beinhalten sie alle die therapeutische Arbeit mit Familien. Im Gegensatz zur klassischen Psychotherapie werden also immer mehrere Personen gleichzeitig betrachtet und behandelt. Gegebenenfalls können sogar wichtige Bezugspersonen, die nicht in direkter Verwandtschaft mit den anderen Angehörigen stehen, in die Sitzungen mit einbezogen werden.
Die Therapieform gehört zu den systemischen Ansätzen. Das bedeutet, dass der Einzelne innerhalb seiner sozialen Gefüge ganzheitlich betrachtet wird. Konkret werden also die Verbindungen innerhalb der Familie analysiert und ausgewertet. Generell lässt sich die Familientherapie neben der systemischen Betrachtung in zwei weitere unterschiedliche Bereiche einteilen:

  • Psychoanalytische Therapieformen
  • Verhaltenstherapeutische Ansätze

Die systemische Variante dieser Beobachtungen bildet die Basis für die psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Anschluss-Behandlungen. Die Methoden der Familientherapie sind sehr individuell auszuführen, so kann der Therapeut beispielsweise das Mittel der Familienaufstellung oder -rekonstruktion wählen, um Erfolge zu verbuchen.

Familienbande definieren ein Team

Die systemische Familientherapie oder -beratung fasst das soziale Gebilde „Familie“ als Team auf. Das bedeutet in der Konsequenz, dass eine Behandlung Teamarbeit ist. Der Therapeut ist dabei gewissermaßen der Moderator, der zusammen mit allen Beteiligten den Problemen zunächst auf den Grund geht. Fragen dazu können beispielsweise sein:

  • In welchen Beziehungen stehen die einzelnen Personen zueinander?
  • Wie steht es um die Beziehungsqualität dieser Verbindungen?
  • Wer ist der Hauptleittragende beziehungsweise derjenige, von dem die Krise ausgeht? Das ist der sogenannte „Symptomträger“.
  • Welche Probleme ergeben sich daraus?

In einem zweiten Schritt werden zusammen mit dem Symptomträger Wege aus der Krise gesucht und Ziele definiert. Die wichtigste Vorrausetzung bei der Familientherapie ist die Mithilfe aller Mitglieder des sozialen Gefüges. Nur wenn alle bereit sind, Veränderungen zuzulassen, kann die Therapieform auch Früchte tragen.

Wie funktioniert die Familientherapie?

Wie funktioniert die Familientherapie?

Wann ist die Familientherapie sinnvoll?

Diese ganzheitliche Behandlung gilt als wirksame Option bei unterschiedlichen psychischen Erkrankungen Einzelner, die auf das System Familie zurückzuführen sind. Dazu gehören:

  • Essstörungen, die besonders bei Jugendlichen auftreten und oft Ausdruck seelischen Leidens sind
  • Suchterkrankungen, zum Beispiel Alkoholismus
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Depressionen

Besonders, wenn Kinder und Jugendlichen unter diesen psychischen Erkrankungen leiden, ist es ratsam die Familie und das Umfeld in die Therapie mit einzubeziehen. Oftmals ergeben sich daraus sogar die Konfliktherde und ebenfalls Lösungsansätze. Dabei steht immer zentral, die gestörten Interaktionen zu erkennen, nicht aber die Familie als Ursache für das Problem zu definieren.
Eine Familientherapie ist auch dann eine Option, wenn sich gravierende Veränderungen zu Problemherden entwickeln. Das bedeutet zum Beispiel bei der Trennung der Eltern oder bei sogenannten Patchwork-Familien. Auch bei Todesfällen, die das Konstrukt Familie nachhaltig stören, ist diese Form der Behandlung sinnvoll. Über die Dauer der Therapie entscheidet der Behandelnde, manche Probleme lassen sich schneller lösen als andere.

Selbstreflektionsprozesse anstoßen und Erfolge verzeichnen

In der Familientherapie erhält jeder Einzelne die Möglichkeit sich selbst und sein Handeln innerhalb der Gemeinschaft zu betrachten und zu verstehen. Wenn die Bereitschaft etwas zu bewegen bei allen Betroffenen da ist, kann die Krisensituation zusammen gemeistert werden. Der TherapeutIn interessiert sich dabei nicht nur für die Problemstellung des Einzelnen, sondern versucht die Kommunikations- und Verhaltensprobleme untereinander aufzuzeigen. Die Therapieform ist also nicht personenzentriert. Dadurch findet jedes Mitglied die Zeit, seine Sichtweise und Bedürfnisse durch eine bewusste Selbsterfahrung zu äußern.
Die Basis dafür ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen PatientInnen und TherapeutIn. Der Behandelnde schafft gewissermaßen einen sicheren Raum, indem die Kommunikation zwischen den einzelnen Personen komplett wertfrei stattfinden kann. Wie lange es dauert, diese Beziehung aufzubauen und eine Problemlösung zu finden, ist immer individuell zu betrachten.

Hilfe zur Selbsthilfe anbieten

Die Behandlungsform der Familientherapie gilt seit 2008 als anerkanntes wissenschaftliches Psychotherapieverfahren. Das ermöglicht Ihnen beispielsweise eine Ausbildung in Systemischer Einzel-, Paar- und Familientherapie an einer unserer campus naturalis-Akademien zu absolvieren. Diese gilt als Weiterbildung zur Systemischen Beratungs-Ausbildung, die Sie innerhalb von einem Jahr deutschlandweit an unseren Akademien belegen können. Mit der weiterführenden Spezifizierung in die Richtung Gruppentherapie können auch Sie als FamilientherapeutIn dabei helfen, das wichtigste soziale Gefüge innerhalb von unserer Gesellschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ausbildung - Systemische Einzel-, Paar- und FamilientherapeutIn

Ausbildung – Systemische Einzel-, Paar- und FamilientherapeutIn

Die Familientherapie – mehr als nur ein Film-Klischee

Wir haben also gesehen, dass die moderne systemische Familientherapie deutlich mehr bieten kann, als die meist sarkastischen Parodien in Film und Fernsehen. Mit einer weitreichenden und tiefenpsychologischen Analyse aller Kommunikationswege und Verbindungen innerhalb von einer Familie kann viel bewirkt werden. FamilientherapeutInnen sind daher gerade in unserer schnelllebigen und erfolgsorientierten Gesellschaft gefragter denn je, wenn es darum geht ein gesundes Umfeld für Kinder und Erwachsene zu schaffen. Denn die Familie ist und bleibt einer der wichtigsten Rückzugsorte für den Menschen – egal in welchem Alter.

* Quelle: https://de.statista.com/themen/98/familie/
** Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76211/umfrage/scheidungsquote-von-1960-bis-2008/

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