4. Februar 2022

Depressionen bei Männern: Wenn Partner, Väter, Kollegen nur noch schreien

Männer leiden anders: Depression und Wut

Das Männerbild ist in den Medien und in der Gesellschaft seit eh und je das Gleiche. Sprichwörter wie „das starke Geschlecht“ oder „der Mann im Haus“ sind hier nur zwei von vielen Sprichwörtern bzw. Stereotypen. Abgesehen davon, dass dieses Klischee aus gesellschaftlicher Perspektive überholt ist, sorgen Gender-Bilder nach wie vor für ein Tabu-Thema, wenn es um die männliche Psyche geht. Depressionen bei Männern werden in vielen Kreisen noch als offenes Geheimnis behandelt. Statistiken beweisen jedoch, dass auch bei Männern depressive Erkrankungen möglich sind, die nicht selten zu Suizid führen. Eine Statistik aus dem Jahr 20191 bringt Aufschluss über das Selbstmordverhalten in Deutschland:

Vollständige Anzahl von Selbstmordopfern 9.041 Menschen
Suizide durch Männer 76 %
Das durchschnittliche Alter bei Männern 58,2 Jahre

Demnach liegt die Suizidrate bei Männern drei Mal höher als bei Frauen. Doch welche Symptome sprechen für eine Depression beim Mann und welche Ursachen liegen hier zugrunde? Wir geben Ihnen Einblicke in potenzielle Anzeichen, Hintergründe und Behandlungsmethoden.

Häufiger als gedacht: Männer mit Depressionen

Die Vorstellung von deprimierten, überforderten oder melancholischen Männern ist etwas, das in der Gesellschaft noch nicht ganz angekommen ist. Gerade im Hinblick auf emotionale Verstimmungen gelten Frauen immer noch als das schwache bzw. Männer als das starke Geschlecht. Dennoch ist in der Psychologie bekannt, dass Männer ebenfalls an Depressionen erkranken. Das konservative Rollenbild des rationalen und aufgeklärten Mannes ist jedoch der Grund, weshalb depressive Männer häufig erst sehr oder zu spät über ihren emotionalen Gesundheitszustand reden. Dies gilt sowohl innerhalb der Partnerschaft als auch bei Arztbesuchen. Sie deuten ihren Zustand als Makel und wollen sich diesen selbst nicht eingestehen. Aufgrund der gesellschaftlichen Erwartung ist Versagen und Erschöpfung bei Männern daher immer noch ein Tabu-Thema. Deshalb werden Depressionen bei Männern viel seltener und später erkannt als bei Frauen.

Anzeichen: Woran Sie Depressionen bei Männern erkennen?

Männer gehen einerseits anders mit ihrem Gefühls-Chaos um, andererseits äußern sich eine Depression bei Männern anders als bei Frauen. Sie erkennen Depressionen über folgende Symptome bei einem Mann:

  • Aggressivität: Depressionen bei Männern äußern sich nicht immer über Melancholie oder intensives Weinen, sondern verstärkt über enorme Reizbarkeit oder tobende Wutausbrüche. Schreianfälle wegen Kleinigkeiten von einer Sekunde auf die nächste sind keine Seltenheit.
  • Konfliktbereitschaft: Zu einer Depression bei Männern zählt auch die Wut auf die/den Partner*in. Depressive Männer tendieren bei ihrem/r Partner*in dazu, schnell einen Streit zu erzeugen. Der/Die Partner*in ist immer an diesen Uneinigkeiten schuld und depressive Männer sehen alles als Kritik. Vorwürfe und nachtragendes Verhalten sind gängige Anzeichen.
  • Leistungsdenken: Depressive Männer erkennen Sie oft an exzessivem, übertriebenem Verhalten. Alles, was sie angehen, tun sie in äußerstem Ausmaß:
    • Extremer Sport mit langen und intensiven Einheiten.
    • Extrem viele Überstunden und Leistungsdenken im Job.
    • Extremes Ausleben von Hobbys.
    • Extrem intensiver und häufiger Sex.

Mit dem übertriebenen Eifer suchen depressive Männer immer eine Art Selbstbestätigung und wollen damit nach außen auch Stärke demonstrieren.

  • Ausgeprägte Risikobereitschaft: Eine männliche Depression ist häufig von waghalsigen oder gar riskanten Manövern geprägt, wie z.B. beim Sport oder im Straßenverkehr.
  • Niedergeschlagenheit: Im Gegensatz zu diesem extremen und durchaus übermotivierten Verhalten bemerken Sie Depressionen bei Männern auch durch eine ausgeprägte Antriebslosigkeit. In dieser Phase der Depression haben Männer keine Lust und können sich weder zu Sport, Sex oder zu Verabredungen mit Freunden motivieren.
  • Eskapismus: Viele Männer, die von Depressionen betroffen sind, zeigen das Muster der Isolation. Entweder sie isolieren sich auf der Arbeit, durch lange Sporteinheiten oder ziehen die Decke über den Kopf. Das Zurückziehen übersteigt die Lustlosigkeit um ein Vielfaches. Die Betroffenen sondern sich ab und lassen auch niemanden an sich heran.
  • Schlafstörungen: Probleme beim Schlafen gehören zu typischen Anzeichen für Depressionen bei Männern. Die Betroffenen liegen im Bett, Grübeln viel und finden keinen gesunden Schlaf.
  • Alkohol-Konsum: Sie erkennen eine Depression bei Männern in vielen Fällen an einem übermäßigen Alkohol-Konsum. Während dem Verzehr scheinen die emotionalen Probleme in den Hintergrund zu treten. Zudem hoffen deprimierte Männer, im berauschten Zustand besser schlafen zu können.
Aggressivität: Depressionen bei Männern nicht immer Melancholie

Aggressivität: Depressionen bei Männern nicht immer Melancholie

All diese Symptome bei einer Männerdepression laufen nicht isoliert oder gar kontinuierlich ab. Depressionen bei Männern sind von einem unvorhersehbaren Auf und Ab geprägt. Das typische „von Himmel hoch jauchzend bis zum Tode betrübt“ ist charakteristisch für Depressionen bei Männern. Sie wissen allerdings nie, wann Sie mit welcher Laune rechnen können.

Hintergründe: Welche Ursachen hat eine Männerdepression?

Die Auslöser für Depressionen bei Männern können unterschiedlicher Herkunft sein.

    1. Stress am Arbeitsplatz2
      Ein anstrengender Beruf, eine aufreibende Führungsposition oder enormer Leistungsdruck können Depressionen bei Männern hervorrufen. Der eigene Anspruch, den Job zu behalten bzw. im Beruf immer besser zu werden und aufzusteigen, führen zu emotionalen Tiefpunkten. Damit es erst gar nicht zum Äußersten kommt und große seelischen Belastungen am Arbeitsplatz in eine Erkrankung führen, kann eine Systemische Fachtherapie mit dem Schwerpunkt Stressbewältigung und Burnout-Prophylaxe helfen.
    2. Schwierige Kindheit3
      Männerdepressionen lassen sich weiterhin auf beschwerliche oder traumatische Erlebnisse in der Kindheit und Jugend zurückführen. Diese Traumata basieren auf unterschiedlichen Krisensituationen, wie zum Beispiel einer strenge Erziehung, der Scheidung der Eltern oder des tödlichen Verlusts eines Elternteils bzw. einer nahestehenden Vertrauensperson.
    3. Veränderung des Hormonhaushalts4
      Auch bei Männern findet ein Umbruch des Hormonhaushalts statt. Bei depressiven Männern ist weiterhin die Zufuhr der Botenstoffe im Gehirn gestört. Die als Neurotransmitter bekannten Stoffe wie Serotonin, Dopamin oder Noradrenalin sind hierbei im Ungleichgewicht und werden nur in reduzierter Menge produziert. Zu wenige Botenstoffe können Depressionen bei Männern auslösen.

Wenn Sie ein ausgeprägtes Interesse für Traumata in sich tragen und zudem ein sensibles Gespür für mental erschütterte Menschen, dann sind Sie vielleicht der/die geborene Therapeut*in. In einer Ausbildung in der Traumatherapie bzw. als Traumatherapeut*in erlernen Sie fundierte Herangehensweise und Behandlungsmethoden für traumatisierte Menschen.

Therapie: Wie gehen Sie am besten mit depressiven Männern um?

Wie bei allen Formen von emotionalen Erkrankungen ist es auch bei Männerdepressionen wichtig, diese zu erkennen, ernst zu nehmen und offen zu kommunizieren. Männer mit einer Depression tun sich einerseits schwer, diese selbst zu akzeptieren und andererseits, sich Hilfe zu holen. Daher ist es wichtig, dass Sie betroffenen Männern verständlich machen, dass es sich bei den Zuständen von Gereiztheit, Lustlosigkeit und Melancholie nicht um Schwäche handelt. Weiterhin erreichen Angehörige mehr, wenn sie nicht direkt von Anfang an von einer Depression reden. Bei dem Begriff „Depression“ tendieren betroffene Männer häufig zur Resignation oder Isolierung, was im Falle einer Erkrankung die falsche Reaktion ist.

Eine professionelle Behandlung von depressiven Patienten kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen:

  1. Medikamentöse Methode
    Bei der Therapie mit Medikamenten verschreiben Ärzte in der Regel Antidepressiva. Diese wirken sich positiv auf die Gemütszustände aus und machen nicht abhängig.
  2. Therapeutische Methode<
    Depressionen bei Männern lassen sich zudem gut mit einer Psychotherapie behandeln. Häufig kommt die therapeutische Behandlung zur medikamentösen hinzu. Ausgebildete Therapeut*innen kennen die genauen Ursachen von Depressionen und wissen, wie sie sich den besten Zugang zu ihren Patienten verschaffen. Durch professionelle Gesprächsstrategien mit dem Betroffenen allein, mit dem/der Partner*in oder mit der ganzen Familie erarbeiten Therapeuten langfristige Lösungen.

Wenn auch Sie einen guten Zugang zu depressiven Menschen haben, gut zuhören und professionelle Therapietechniken erlernen möchten, sollten Sie über den Beruf Therapeut*in nachdenken. In einer fundierten und fachkundigen Ausbildung in der systemischen Einzel-, Paar- und Familientherapie erlernen Sie genaue Methoden in der Behandlung von depressiven Männern und Frauen.

Therapeutische Behandlung: Zugang durch professionelle Gesprächsstrategien

Therapeutische Behandlung: Zugang durch professionelle Gesprächsstrategien

Wie kann man die Anzeichen einer Depression frühzeitig erkennen?

Charakteristisch für viele Männer ist, dass Sie nicht gerne über Gefühle reden. Dies wird jedoch kritisch, wenn friedliche und ausgeglichene Männer plötzlich hochgradig aggressiv, leistungsorientiert, Job-fixiert oder niedergeschlagen sind und sich dann auch noch zurückziehen. Wenn Sie diese Anzeichen langfristig beobachten, kann eine Männerdepression dahinterstecken. Depressionen bei Männern äußern sich weniger über Melancholie oder Trauer, sondern über Aggressionen, Wut und exzessives Verhalten. Stellen Sie übermäßige Gereiztheit oder viele Stunden im Büro bei Ihrem Partner fest, sollten Sie behutsam das Gespräch suchen. Machen Sie dem Betroffenen klar, dass Sie Verständnis haben und kommunizieren Sie, dass er mit einer Depression nicht allein ist. Diese Krankheit ist weiter bei Männern verbreitet, als viele wissen. Die Ursachen sind häufig Leistungsdruck im Beruf, traumatische Ereignisse in der Kindheit oder körperliche Veränderungen. Wenn viele Komponenten zusammenfallen, ist eine Männerdepression nicht auszuschließen. Mit viel Geduld und bedachten Gesprächen können Sie Ihren Partner dazu bewegen, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen. Durch einen Therapeuten und die Einnahme von Medikamenten sind Depressionen bei Männern gut behandelbar.

Quelle1: destatis.de
Quelle2: apotheken-umschau.de
Quelle3+4: neurologen-und-psychiater-im-netz.org

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