8. Dezember 2022

Die Wirkung der Rituale

Advent - Die Wirkung der Rituale

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, …“.

Wer kennt das kurze Gedicht nicht, welches in drei Versen die vier Wochen vor Heiligabend zusammenfasst. Jeder, der den Kinderreim hört, hat automatisch einen Adventskranz aus Tannenzweigen mit vier brennenden Kerzen vor Augen und verbindet dieses Bild mit einer ganz bestimmten Zeit des Jahres und einem besonderen Ereignis. Man stellt vier Wochen vor dem 24. Dezember den Adventskranz auf, um Woche für Woche eine weitere Kerze anzuzünden und so die Zeit vor Weihnachten zu zelebrieren. In der christlichen Welt ist vor allem die Weihnachtszeit eine sehr ritualgeprägte Zeit. Doch was hat es mit Ritualen auf sich? Warum gibt es sie oder warum erschaffen wir neue? Wir geben einen Einblick in die unterschiedlichen Wirkungsweisen und Bedeutungen von Ritualen.

Warum haben Rituale eine Bedeutung für uns?

Mit ihrer strukturbildenden Wirkung drücken Rituale immer eine Zusammengehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft aus. Wer selbst einen Adventskranz bei sich zu Hause aufstellt, fühlt sich üblicherweise zur christlichen Kultur zugehörig. Diese Zugehörigkeit verleiht auch ein Gefühl der Sicherheit.

Darüber hinaus halten wir an Ritualen fest, weil sie in der eigenen Gesellschaft überliefert wurden und wir in der eigenen Familie damit aufgewachsen ist. Wichtig ist zudem der symbolische Charakter. Wie im Beispiel der Adventskranz als Symbol gesehen werden kann, gehören zum Ablauf immer wiedererkennbare Symbole oder besondere Gegenstände.

Rituale müssen aber nicht ausschließlich in einem religiösen Kontext vorkommen. Jede Gemeinschaft oder Familie entwickelt im Laufe der Zeit ihre eigenen Rituale und auch Einzelpersonen ritualisieren ihren Alltag.

Was bedeuten Rituale für den Alltag?

Rituale finden auf unterschiedlichste Weise im Alltag ihren Platz. Charakteristisch ist die Wiederholung. Denn nur der gleiche, sich wiederholende Zeitpunkt verleiht den nötigen Stellenwert.

Manche Menschen meditieren jeden Morgen, weil ihnen das die nötige Energie für den Tag gibt. Andere hingegen machen autogenes Training bevor sie schlafen gehen, um sich vom Stress des Tages zu befreien. Rituale entstehen also nur dann, wenn sie regelmäßig wiederholt werden. Sie helfen uns dabei, unseren Alltag zu strukturieren.

Was gilt für Rituale bei Kindern?

Vor allem der Familiennachwuchs braucht viel Sicherheit und Struktur. Im Bereich der Familie lassen sich für die Kinder viele Rituale einbauen, um dem gesamten Tagesablauf die nötige Ordnung zu verleihen. So bietet es sich für die Kinder an, zum Beispiel am Esstisch bestimmte Rituale einzubauen. Regeln, die vor und während der Mahlzeiten gelten, sorgen für einen geordneten Ablauf während des Essens.

Auch Kinder ins Bett zu bringen, kann für Eltern häufig eine Herausforderung sein. Durch das Etablieren von regelmäßigen Wiederholungen erlernen Kinder eine Struktur für den Abend, an die sie sich halten müssen. Das erleichtert schwierige Aufgaben im Alltag mit Kindern, da es für sie einfache Anknüpfungspunkte schafft.

Einschlafrituale - Kinder erlernen Struktur

Einschlafrituale – Kinder erlernen Struktur

Wie helfen Rituale in der Psychologie?

Auch in der Psychologie können Rituale von besonderer Bedeutung sein. Viele Menschen, die unter psychischen Krankheiten leiden, können sich selbst nicht motivieren oder schaffen es nicht, ihrem Tagesablauf eine Struktur zu geben. Hat man zum Beispiel Probleme in den Tag zu starten, können bestimmte Rituale und festgelegte Abläufe als Motivator helfen.

Ebenfalls helfen Rituale in der Traumatherapie und sind daher ein Teil der Ausbildung Integrale Traumatherapie und Bausteine der Therapie. Traumata treten nach dem Erleben von schweren, negativen Ereignissen auf. Häufig sind das:

  • Psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt
  • Unfälle, die das Opfer in Lebensgefahr bringen
  • Mobbing

Traumatisierte Menschen sind von typischen Verhaltensweisen betroffen:

  • Wiederkehrende Erinnerungen an das Erlebte
  • Albträume
  • Angstzustände
  • Persönlichkeitszustände

Da Betroffene von der Angst begleitet sind, das Trauma könne sich wiederholen, gewöhnen sie sich Verhaltensmuster an, um die Erlebnisse so gut wie möglich auszublenden. Im Leben der Opfer kann es aber immer wieder zu ungeplanten Situationen kommen, in denen sie an das Erlebte erinnert werden.

Fehlende Strukturen erzeugen psychische Belastung

Fehlende Strukturen erzeugen psychische Belastung

Bei der Behandlung geht es immer darum, bestimmte Verhaltensmuster und Denkvorgänge des traumatisierten Menschen zu verändern. In erster Linie sollte man die Alltagssituationen erfassen, in denen die durchlebten Ängste immer wieder erfahren werden. Man sollte den Klient*innen klar machen, dass sie die Alltagssituationen von dem negativen Ereignis trennen müssen. Integriert man bestimmte rituelle Handlungen, können diese die Klient*innen von den erlebten Traumata ablenken. Mit dem Ritual werden innere Bilder und Emotionen unterbrochen, die zu stark an die Erlebnisse erinnern und somit erlernen sie einen Umgang mit der psychischen Belastung.

Rituale bei der Trauerbewältigung

Rituale können auch bei der Trauerbewältigung hilfreich sein. Gerade wenn Kinder einen Elternteil oder Menschen ihre*n Lebenspartner*in verlieren, entsteht häufig bei den Familienmitgliedern ein Gefühl der Einsamkeit oder Verlorenheit. Mit der Beerdigung findet das bekannteste Trauerritual statt. Mit diesem Ereignis erweisen wir dem Verstorbenen die letzte Ehre. Oft ist es nach dem Gang zum Friedhof üblich, die gesamte Familie einzuladen und so die Trauer um das verstorbene Familienmitglied gemeinsam zu bewältigen. Manchen Menschen hilft bereits dieses Ritual im Umgang mit der eigenen Trauer.

Rituale: hilfreich bei der Trauerbewältigung

Rituale: hilfreich bei der Trauerbewältigung

Doch für andere Menschen ist die Trauerbewältigung ein langfristiger Prozess. Viele Alltagsituationen, die man mit dem geliebten Menschen erlebt hat, werden zu schmerzlichen Erinnerungen. Ohne den*die langjährige*n Partner*in fühlt man sich sehr schnell einsam und viele Menschen wissen nicht, wie sie den Alltag ohne den oder die Partner*in meistern sollen. Dann hilft es, neue Gewohnheiten einzuführen oder alte hinter sich zu lassen. Mit neuen Ritualen, die vielleicht auch mit neuen Menschen oder an neuen Orten verbunden sind, schaffen Trauernde sich Raum für andere Gedanken und können sich von der Trauer ablenken. Dabei geht es nicht darum, den verstorbenen Menschen zu vergessen, sondern darum, einen Weg zu finden, im eigenen Leben weiter zu machen und nach vorne zu schauen.

Der Stellenwert von Ritualen in unserem Leben

Rituale nehmen also unterschiedliche Aufgaben in unserem Leben ein. Von der Strukturierung des Alltags bis hin zur Bewältigung von schweren Krisen, wie zum Beispiel dem Verlust eines geliebten Menschen. Rituale haben eine immense Strahlkraft auf unsere Psyche – und wenn es nur darum geht, durch Wiederholungen unseren inneren Schweinehund zu besiegen.

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