17. Mai 2021

Wie wirkt die Corona Pandemie auf die Psyche?

Pandemie und Stress: Wie können wir damit umgehen

Die Corona-Pandemie ist wohl für alle eine große Belastung. Der psychische Stress, der durch die Arbeit im Homeoffice, Homeschooling für die Kinder und vielleicht sogar die Sorge um den Arbeitsplatz auf einem lastet, ist nicht zu unterschätzen. Darauf deuten auch zahlreiche Studien hin. Wie uns die Folgen der Corona-Pandemie beeinflussen und was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier.

Pandemie und Stress: Wie können wir damit umgehen?

Es dürfte wohl unstrittig sein, dass sich die Pandemie mit dem Coronavirus nicht gerade förderlich auf unsere psychische Gesundheit auswirkt – und das gilt für alle Bevölkerungsschichten. Schon im Frühjahr 2020, also kurz nach Beginn der Krise und damit im ersten Lockdown kam die breit angelegte NAKO-Gesundheitsstudie zu dem Ergebnis, dass besonders junge bis Personen mittleren Alters unter der Krise leiden. Von Mutlosigkeit bis hin zu Depressionen reichen die Symptome1.

In Regionen, in denen das Infektionsgeschehen ausgeprägter war, litten die Menschen stärker als in Gegenden, in denen die Bedrohung durch das Virus noch relativ gering war.
Da die Infektionszahlen deutschlandweit schwankend mal hoch, mal niedriger sind, ist davon auszugehen, dass mehr Menschen psychisch unter der Krise leiden. Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren können die psychischen Belastungen und damit den Stress verstärken.

Leiden Menschen mit einer Angststörungen stärker?

Wenn schon Menschen, die vor der Krise psychisch unauffällig waren, mit den Folgen zu kämpfen haben, stellt sich die Frage, in welchem Maß Menschen unter der Pandemie leiden, die schon vorher von Angststörungen betroffen waren.

Man kann wohl davon ausgehen, dass diese Personen noch stärker unter den Belastungen leiden. Gerade Menschen, die mit Angststörungen zu kämpfen haben, sind durch die Pandemie besonders gefordert.
Bei ihnen zeigen sich folgende Symptome:

  • Angst, sich mit dem Virus anzustecken
  • Angst, andere Personen, wie Familienangehörige zu infizieren
  • Angst vor der ungewissen Zukunft
  • Kontrollverlust
Menschen mit Angststörungen besonders gefordert

Menschen mit Angststörungen besonders gefordert

Im Allgemeinen hat die Pandemie also einen starken Einfluss auf die psychische Gesundheit dieser Personen.

Die Auswirkungen der Belastung: Wie wirkt Corona auf Körper und Geist?

Dass die Pandemie für viele Menschen eine echte Belastungsprobe ist, scheint also unstrittig zu sein. Schauen wir uns etwas genauer an, auf welche Weise Menschen auf den Stress reagieren können, der von der Pandemie ausgelöst wird.
Hier zeigen sich einige Übereinstimmungen zu den oben beschriebenen Reaktionen. Ganz allgemein können Ärzte und Ärztinnen zum Beispiel folgende Verhaltensweisen als Reaktion auf den hohen Stresslevel beobachten:

  • Angst davor, krank zu werden und an Corona zu sterben.
  • Angst davor, in Krankenhäuser, Pflegeheime oder andere Gesundheitseinrichtungen zu gehen aus Sorge, man könne sich dort infizieren.
  • Misstrauen gegenüber der Krankheit und der Berichterstattung.
  • Dieses Misstrauen kann in einigen Fällen dazu führen, dass Personal aus dem Gesundheitsbereich generell abgelehnt und gemieden oder gar bedroht wird.
  • Angst vor dem Jobverlust durch schlechte wirtschaftliche Lage beim Arbeitgeber.
  • Befürchtungen, den Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu können.
  • Hilflosigkeit, an der aktuellen Situation etwas ändern zu können bis hin zu depressiven Verstimmungen.
  • Misstrauen gegenüber der Krankheit und der Berichterstattung.
  • Misstrauen gegenüber Impfempfehlungen.

So wirkt sich der Stress auf das Gehirn aus

Bei den beschriebenen Reaktionen und Symptomen handelt es sich keinesfalls nur um psychische Befindlichkeiten, die keine körperliche Entsprechung hätten. Vielmehr lassen sich die Symptome mit Aktivitäten in bestimmten Hirnarealen in Verbindung bringen. Unter anderem sind betroffen:

  • Nucleus accumbens: Reagiert auf die soziale Isolation in Folge der Kontaktbeschränkungen. Das wiederum kann zu sinkender Motivation führen.
  • Präfronatler Cortex: Dieser Teil des Gehirns reagiert auf fehlende oder aufgeweichte Strukturen, die dadurch entstehen, dass sich unser Tagesablauf teilweise beachtlich gewandelt hat. Man denke nur an Home-Schooling und -Office, was bei vielen Menschen zu erhöhtem Stress in Folge der Pandemie führt. Der Präfrontale Cortex ist der Sitz unseres Arbeitsgedächtnisses. Ist er betroffen, führt das zu fehlender Konzentration und im schlimmsten Fall psychischer Überforderung.
  • Default Mode Netzwerk (DMN): Diese Hirnareale sind auch unter dem Namen Ruhezustandsnetzwerk bekannt. Sind sie betroffen, leidet unsere Kreativität und es besteht die Gefahr, dass wir zu sehr ins Grübeln geraten. Häufig denken wir dabei nämlich nicht über positive Dinge nach, beispielsweise darüber, was wir nach der Pandemie wieder alles erleben können, sondern geraten in eine Spirale negativer Gedanken.
  • Hippocampus: Diese negativen Eindrücke und Gedanken können außerdem einen Einfluss auf den Hippocampus, den Sitz unseres Gedächtnisses und des Lernens, haben. Die Folge: Wir können uns Dinge schlechter merken und lernen neue Zusammenhänge nicht mehr so schnell.

Pandemie und Stress: Das kann gegen die Belastungen helfen

Obwohl der Corona-Stress unsere Resilienz ganz schön fordert, heißt das noch lange nicht, dass wir nun alle – oder ein großer Prozentsatz der Bevölkerung – psychisch krank werden. Wir können nämlich etwas zur Stressbewältigung tun und damit die Stressreaktionen in unserem Körper, ausgelöst durch den andauernden Alarmzustand ein wenig abfedern.

Mann kann etwas zur Stressbewältigung tun

Mann kann etwas zur Stressbewältigung tun

Denn – und das ist eine weitere gute Nachricht –, die Veränderungen in unserem Gehirn oder die psychischen Belastungsfaktoren, die wir alle durch die Bedrohung durch das Virus haben und hatten, sind keinesfalls irreversibel. Mit den richtigen Techniken und Methoden lassen sie sich wieder rückgängig machen.

Klären Sie ihre Grundbedürfnisse: Zunächst einmal sollten Sie sich damit beschäftigten, welche Ihrer Bedürfnisse aktuell ganz besonders eingeschränkt werden.

Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen:

  • Wie wirkt sich die Pandemie auf mein Wohlbefinden aus?
  • Welche Gefühle löst die Belastung durch den andauernden Stress aus?
  • Habe ich noch mehr psychischen Stress am Arbeitsplatz (zum Beispiel durch den fehlenden Kontakt zu einer Bezugsperson) als ohnehin schon?
  • Verhalte ich mich aufgrund der Belastungsfaktoren anders? Welches Verhalten würde ich mir für mich wünschen?
  • Welche Bedürfnisse hat meine Familie? Gemeinsam Essen beispielsweise kann einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden aller haben.
  • Stress annehmen: Vermutlich können Sie aktuell gar nicht so viel an Ihrer Situation ändern. Denn diese hängt mit äußeren Gegebenheiten zusammen, die Sie nur bedingt selbst in der Hand haben. Es bleibt Ihnen aber noch eine andere Möglichkeit: Nehmen Sie den Stress an, bevor er sich zu sehr auf Ihre Gesundheit auswirkt. Wenn Sie akzeptieren, dass die Situation aktuell nun einmal so ist, wie sie ist, können Sie besser damit umgehen.
  • Reaktion umkehren: Statt vor lauter Stress den Kopf in den Sand zu stecken, versuchen Sie ihn zu nutzen. Gehen Sie Dinge aktiv an, die Sie in der Hand haben. Sie können zum Beispiel in einer kurzen Verschnaufpause einen schnellen Spaziergang machen, statt die Zeit mit dem Smartphone auf dem Sofa zu verbringen. Resilienz fördern und dem Stress aktiv begegnen ist dabei das Kredo.

Fazit: Achtsamkeit und Resilienz lernen

Personen, die sich noch eingehender mit Stressbewältigung und Formen der Resilienz beschäftigen möchten, sollten unbedingt einen Blick in unser Kursangebot werfen. In unseren Ausbildungen lernen Sie, wie Sie selbst mit den geänderten Lebensumständen und vielleicht auch Zukunftssorgen umgehen können.
Folgende Kurse und Ausbildungen können Ihnen helfen:

Ebenso wichtig und vielleicht sogar erfüllender ist aber, dass Sie damit auch anderen Menschen helfen können, wieder in ihre Sicherheitszone zu finden und angemessen auf die Bedrohung durch die Pandemie reagieren zu können. Und das ist doch wirklich ein schönes Gefühl!

Quelle1: gesundheitsforschung-bmbf.de

Unser Bildungsangebot zum Thema

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