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29. Dezember 2019

Zivilcourage: Sollten unsere Kinder schon in der Schule lernen einzuschreiten?

Zivilcourage: Sollten unsere Kinder schon in der Schule lernen einzuschreiten

Vom Hänseln einzelner Klassenkameraden bis hin zur systematischen Androhung von Prügeln und physische Übergriffe aufgrund von rassistischen Ansichten – viele Kinder und Jugendliche kommen schon in jungen Jahren in ihrem Alltag mit unterschiedlichen Formen von Gewalt gegen sich und andere in Kontakt. Aber nicht nur in der Welt der Kinder ist diese Problematik immer wieder ein Thema.

Der Fall Dominik Brunner ist wohl einer der prominentesten in den letzten Jahren. Der Name des von zwei halbstarken Jugendlichen zu Tode geprügelten Managers, der sich schützend vor vier Schüler stellte, wurde zum Synonym für Zivilcourage.* Seitdem schlägt die Debatte um das Thema immer wieder hohe Wellen – eine allumfassende Lösung der Problematik innerhalb unserer Gesellschaft zeichnet sich allerdings noch lange nicht ab. Ein Ansatz ist es, bereits in der Schule die Werte von Zivilcourage zu vermitteln. Dadurch soll aktiv Prävention geschaffen werden und der Mut einzuschreiten gefördert werden. Was genau bedeutet das eigentlich? Welche Projekte gibt es bereits? Wo besteht Verbesserungsbedarf? Wir werfen einen Blick auf die Thematik.

Was genau heißt Zivilcourage?

Das Wort Zivilcourage hören wir immer wieder in den Medien, in der Schule oder in Diskussionen – aber was bedeutet es eigentlich genau? Der Begriff „Zivilcourage“ stammt ursprünglich aus dem Französischen (courage civil) und wird als „Bürgermut“ übersetzt. Entstanden ist dieses Konzept in der Französischen Revolution, als es darum ging, die Strukturen der Monarchie von Bürgerseite aus zu durchbrechen. Der Begriff bezieht sich darauf, dass der Einzelne Mut beweist, sich ein eigenständiges Urteil zu bilden und dafür auch einzustehen.**

Selbstbewusstsein gehört also zu den Kernbegriffen der Zivilcourage. Während in den Anfängen der courage civil vor allem der politische Aspekt im Vordergrund stand, steht heute primär der soziale Aspekt zentral. Das heißt, dass es ganz konkret um die Wertevorstellung einer Gesellschaft und deren Umsetzung geht. Die Basis bilden diese Konzepte:

  • Die Menschenwürde, die für jeden Bürger im Grundgesetz gesichert sind
  • Die Menschenrechte, die eng gekoppelt ist an die Würde des Menschen
  • Allgemeine Gerechtigkeit

Heruntergebrochen bedeutet Zivilcourage heute: Das Eintreten für eine Person, deren Integrität physisch oder psychisch angegriffen und/oder verletzt wird. Zum Bürgermut gehört auch, dass dieses Eintreten öffentlich stattfindet, das heißt vor anderen.
Dennoch ist nicht abzustreiten, dass dieser positiv belegte Begriff auch einen schalen Beigeschmack hat. So sprechen viele von Gefährdung des eigenen Leibs, Hochmut oder falscher Zivilcourage. Daher ist es umso wichtiger, bereits in der Schule zu vermitteln, was eigentlich genau Zivilcourage ausmacht.

Vermitteln, was Zivilcourage ausmacht.

Vermitteln, was Zivilcourage ausmacht.

Mangelnde Zivilcourage ein gesellschaftliches Problem

Der Fall Dominik Brunner und viele weitere in den letzten Jahren haben wieder einmal gezeigt, dass Zivilcourage in unserer Gesellschaft ein schwieriges Thema ist. Das liegt nicht nur an der Gesellschaft selbst, sondern auch an einem ganz einfach zu erklärenden psychologischen und sozialen Phänomen, dem sogenannten „Bystander“-Effekt oder Genovese-Syndrom. Dieser besagt: Je mehr Augenzeugen eine Tat beobachten, desto unwahrscheinlicher ist es, dass jemand eingreift. Das liegt daran, dass sich in solchen Situationen die Verantwortung diffus verteile. Viele Beobachter wissen nicht, was schon getan wurde und leiden unter Hemmungen einzuschreiten.*** Das Phänomen könne aber durchbrochen werden, wenn der erste Schritt von einem Einzelnen gemacht wird.

Zivilcourage erlernen – geht das?

Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler und Experten schon seit vielen Jahrzehnten. Die Antwort, so Christian Lüdke, einer der Initiatoren der Stiftung „MuTiger“ aus Essen: Ganz klar ja. Er bietet Seminare zum Thema in verschiedenen Unterrichtseinheiten an. Das auch an Schulen in einfacher Sprache, die Kindern Zivilcourage erklärt. Denn unter Jugendlichen gebe es die meisten Gewalttaten, die mit scheinbar harmlosem Mobbing in der Schule beginnen. Diese könnten durch den mutigen Einsatz von Individuen verhindert werden. Sensibilisieren ist bei dieser Art Initiative das zentrale Stichwort.

Gewalttaten beginnen mit Mobbing

Gewalttaten beginnen mit Mobbing

Eingreifen oder Hilfe holen – für sich selbst entscheiden

Zivilcourage beginnt schon damit, einer Situation nicht tatenlos zuzusehen. Lüdke betont, dass sich nicht jeder immer sofort zwischen Opfer und Täter stellen muss. Besonders nicht dann, wenn die eigene Sicherheit dabei nicht mehr gewährleistet werden kann. Das passiert zum Beispiel, wenn Angreifer eine Waffe ziehen. Es sei mindestens genauso wichtig, sich Täter und Tathergang genau einzuprägen und gegebenenfalls Hilfe bei der Polizei oder anderen Erwachsenen zu holen. Um das den Schülern zu verdeutlichen trainiert Lüdke mit den Teilnehmern im Rollenspiel Situationen in denen Zivilcourage gefordert ist – und das nicht nur innerhalb der Schule.

Unterschiedliche Projekte, ein gemeinsames Ziel

Das Thema Zivilcourage ist heute im Rahmen der Sucht- und Gewaltprävention in vielen Schulen in Deutschland angekommen. Im sicheren Lernumfeld erfahren SchülerInnen durch Übungen und Training innerhalb und außerhalb des Unterrichts, was es heißt, Zivilcourage zu zeigen. Meist geschieht das in Verbindung mit Fächern wie Ethik oder Sozialkunde. Ziel ist es dabei immer, die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler zu stärken sowie ein gefestigtes Demokratie-Empfinden zu erzeugen:

  • Selbstbewusst mit Situationen umgehen
  • Alternative Lösungen aufzuzeigen
  • Wissen, wann Hilfe zu holen ist

Die bekanntesten Zivilcourage-Projekte in Deutschland sind unter anderem:

  • Magazin Basta – Nein zur Gewalt: Es umfasst gezielt ausgewähltes Arbeitsmaterial für die Sekundarstufe I und kann in allen Schultypen angewandt werden. Es fokussiert sich auf die Fächer Politik und Sozialwissenschaften.
  • Projekt „Mutgeschichten“ der Initiative Tu was! Zeig Zivilcourage!, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Initiative hat es sich auf die Fahne geschrieben, Zivilcourage als alltagsbezogene Aufklärungsarbeit zu vermitteln und das Thema in die öffentliche Diskussion zu bringen.
  • Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Das größte Schulnetzwerk zum Thema in Deutschland, an dem über 2.700 Schulen teilnehmen. Das Modell basiert auf einer Selbstverpflichtung der einzelnen Schulen gegen Mobbing, Gewalt und Diskriminierung aktiv zum Beispiel in der Schulordnung vorzugehen.

Videoquelle: Initiative „Tu was! Zeig Zivilcourage!“ aus Bremen. Das Projekt „Mutgeschichten“ wurde im November 2015 auf der „Wolkenschieber“-Gala in Bremen geehrt. Ein kleiner Film zeigt das Projekt.

Nicht nur Schüler profitieren

Auch Erwachsene, LehrerInnen und Aufsichten in Schulen können von einer umfassenden Schulung in Sachen Zivilcourage profitieren. Kommunikationstechniken, Selbstkritik und ein gewisser Einsatz für Andere gehören ganz klar in das Repertoire eines jeden Pädagogen.
Dazu werden immer mehr Psychologen herangezogen, die beispielsweise eine Ausbildung in der systemischen Kinder- und Jugendtherapie absolviert haben und so ganz neue Einblicke in das Thema ermöglichen können. Wenn Sie selbst Interesse daran haben, sich in diesem Bereich weiterzubilden, dann sollten Sie vor allem darauf achten, dass die Aus- oder Weiterbildung anerkannt ist. Die Berufsaussichten gerade im Bereich Jugend- und Erwachsenenweiterbildung sind derzeit sehr gut, Psychologen werden händeringend gesucht.

Fazit: Mut zum Eingreifen Fördern, Grenzen kennen

Es ist wichtig, dass unsere Kinder schon von klein an gewisse Werte, die in unserer Gesellschaft bestehen, mit auf den Weg bekommen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die Gewalt unter Kinder und Jugendlichen erst gar nicht zu Stande kommt. Denn darum geht es hauptsächlich, wenn wir von Zivilcourage in Schulen reden: Den Mut für Gerechtigkeit zwischen Einzelnen aufzustehen. Wenn schon Kinder und Jugendliche damit in Kontakt kommen und zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranwachsen, dann kann das für die Gesellschaft nur förderlich sein. Wichtig ist allerdings genau und klar zu vermitteln, wie dieser Weg beschritten werden soll. Nämlich mit Augenmaß und gegebenenfalls mit der Unterstützung von anderen.

*Quelle: Sueddeutsche.de
**Quelle: Koerperverletzung.com
***Quelle: Hogrefe.com

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